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Dienstag, 16. Juni 2015

52/52 Challenge - Fazit

Fazit zur 52/52 Challenge.

Am 12.06.2014 hatte ich mit der 52/52 Challenge begonnen, am 12.06.2015 habe ich sie beendet. Das war das Ziel und ich habe es geschafft, worüber ich wirklich sehr froh bin und etwas stolz auf mich bin ich auch.

Druck, Deadlines, Disziplin:
Es ist nämlich so, dass ich vor allem in den letzten zwei bis drei Monaten, wenn ich mich nicht täusche, denn ich besitze kein sehr gutes Zeitgefühl, Kurzgeschichten zu der Challenge geschrieben habe und davor mal so vereinzelt. Auf jeden Fall habe ich es nicht bekommen, regelmäßig was zu schreiben, sondern musste alles zum Ende hin irgendwie hinbekommen.
Aber ich denke, dieser Druck ist sogar ganz gut. Deadlines sind gut. Sie spornen an. Sie motivieren vielleicht nicht unbedingt, manchmal sogar ziemlich im Gegenteil, aber sie sind eine Orientierung, ein Punkt, auf den man Blicken kann, ein Ziel, das man erreichen will. Und besonders kreative Menschen brauchen sowas manchmal sehr, denn sie neigen dazu, zu sagen ''Kreativität braucht Zeit'', was ja auch stimmt. Kreativität braucht Zeit und manchmal kann man einfach nicht schreiben. Grenzen zu setzen sind falsch, aber sich Orientierungspunkte zu schaffen nicht. Es hilft. Es hilft unheimlich. Es führt vor allem auch dazu, dass man sich mehr anstrengt und das ist sehr wichtig.
Es lehrt einen auch Disziplin und das brauchen kreative Menschen auch auf jeden Fall. Ohne Disziplin wird immer wieder was Neues angefangen und nichts wird fertig. Dabei will man ja eigentlich genau das – etwas fertig bringen, etwas erschaffen und zwar etwas vollständiges und nichts Halbes.

Was ich aus der Challenge gelernt habe:
Ich schreibe viel zu selten eigenes Zeugs und während der Challenge ist mir aufgefallen, wie sehr mich das stört. Ich muss mir ganz unbedingt angewöhnen, auch regelmäßig was ganz Eigenes zu schreiben und nicht immer nur Fanfiktion.
Ja, ich hin ein verdammtes Fangirl und ich liebe es zu shippen und ich habe so viele Ideen zu so vielen Paaren und ich will viele davon auch auf jeden Fall umsetzen, weil Fanfiktion schreiben auch eine wirklich tolle Übung ist, aber ich muss auch einiges Zeugs schreiben! Da habe ich nämlich fast genauso viele Ideen und die wollen und müssen auch umgesetzt werden.
Fanfiktion schreiben hat mich bisher schon weit gebraucht und ich werde auf keinen Fall damit aufhören, das könnte ich gar nicht, aber es ist eben doch etwas anderes, sich um völlig eigene Charaktere zu kümmern, eine völlig eigene Welt zu erschaffen. Es ist schwieriger und ich habe oft so meine Probleme damit, ob es denn so rüberkommt, wie ich will, ob es gut genug ist. Aber was ist schon gut genug!? Ich muss üben! Ich weiß doch ganz genau, dass Übung beim Schreiben so ziemlich alles ist. Ich muss einfach üben und schreiben, ganz viel schreiben und meine Ideen, meine Charaktere sich weiterentwickeln lassen.
Da trifft es sich wirklich wunderbar, dass nächsten Monat wieder CampNaNo ist und es wieder heißt, einen Roman in einem Monat zu schreiben. Ich glaube, ich weiß schon, um welche Idee ich mich da kümmern werde.
Aber auch so warten noch unzählige Ideen sehnlichst darauf, von mir umgesetzt zu werden. Ich muss mich anstrengen und das werde ich.

Ergebnis:
Mal abgesehen davon, dass ich mehr eigenes Zeug schreiben muss, bin ich auch sehr glücklich darüber, das, was ich an Fanfiktion eingebracht habe, eingebracht haben zu können. Davon kann ich einiges weiterverwenden und was ich nicht weiterverwende, verwende ich nicht weiter, weil ich es nicht muss, denn es sind Oone-Shots, die ich zu einem Paar geschrieben habe, zu dem ich nicht unbedingt noch mehr Ideen habe/brauche.
Aber auch was das eigene Zeugs betrifft, hat die Challenge in einigen Punkten geholfen. Konkret erinnere ich mich gerade an zwei Szene, die zu beide zu der gleichen, größeren, bereits vorher existenten Idee gehören und zwar zu der, um die ich mich wahrscheinlich nächsten Monat im CampNaNo kümmern werde.
Und dann ist da noch eine andere Idee, die ich durch ein Lied hatte, die auch ihre Verwendung in einer Szene gefunden hat, worüber ich ebenfalls sehr froh bin, denn die Idee scheint wirklich sehr viel Potential zu haben.
Was andere Ideen betrifft, bin ich allerdings sehr unschlüssig, ob aus denen je mehr werden wird. Die letzte Szene gehört dazu und die Szenen rund um ''Schattenkrieg'' und ''Drachenfeuer'' und was ich mit ''Grau in Grau, Schwarzweiß oder das Weiße im Schwarzen'' machen werde, weiß ich auch noch nicht.
Welche Kurzgeschichten mir selbst besonders gefallen haben, sind die kleinen, ziemlich philosophisch anmutenden Szenen, zum Beispiel ''Möglichkeitenmeer''.

Insgesamt:
Die 52/52 Challenge war auf jeden Fall eine sehr gute Chance, alle möglichen Ideen mal auszuprobieren und zu sehen, wie viel man aus einem einzigen Wort holen konnte, wie viel man in einem einzigen Wort sehen konnte. Auch hat es einem zum Teil ermöglicht, Szenen, die man schon immer mal schreiben wollte, umzusetzen oder solche, die man in dem Moment einfach gerade umsetzen musste, weil man dazu inspiriert worden war.
Lustig fand ich auch, dass mein Hirn recht oft mit mehreren Ideen für ein Wort ankam, bevorzugt natürlich für Wörter, zu denen ich die Kurzgeschichte bereits fertig hatte.
Also, wenn man sich darauf einlässt und auch mal etwas länger drüber nachdenkt, fallen einem wirklich viele Ideen ein, die sich zwar mal mehr mal weniger gut umsetzen lassen und wo auch das Ergebnis mal so mal so ist, aber in jedem Fall ist es eine sehr gute Übung und ich bin sehr froh, sagen zu können, das ich sie erfolgreich abgeschlossen habe.

Freitag, 12. Juni 2015

52/52 Challenge: Lebensfeuer

Die letzte Kurzgeschichte, Nr. 52!
Waaaah, damit habe ich jetzt die 52/52 Challenge geschafft! Gerade noch rechtzeitig, am letzten Tag. ;D Aber ich hab's geschafft.
Es war nicht ganz leicht die letzten Monate. (Hust. Ist ja nicht so, als hätte ich ein ganzes Jahr Zeit gehabt. Hust.) Aber na ja, gut, solange ich es geschafft habe, ist ja alles in Ordnung. :D
Und es war wirklich toll. Sehr inspirierend und ich muss unbedingt die Kurzgeschichten von Pergamentfalter lesen! Sie hat ja die Challenge erst ins Leben gerufen. :)
Vielleicht schreibe ich nochmal ein ausführlicheres Fazit. ;D
Viel Spaß beim Lesen. :*

Wort: Feuer
Wörter: 571

Lebensfeuer

Es brannt. Und es schmerzt. Es schmerzt so sehr. Es zerfrisst mich, von innen nach außen. Und es wird niemals aufhören.
Ich schaue hinauf in den Himmel, die Hand auf meinem Herzen. Es schlägt und pocht in meiner Brust, ein stetiger Schlag, der Blut durch meinen Körper pumpt. Blut und Feuer.
Ich bin nicht, wie die anderen im Dorf. Ich mag so aussehen wie sie, so denken und fühlen, so handeln wie sie. Aber ich bin keine von ihnen. Ich bin kein Mensch und ich werde niemals ein Mensch sein.
Lange Zeit konnte ich es nicht akzeptieren, ja, wollte es nicht einmal glauben. Für mich war es nicht wahr. Ich verbannte es aus meiner Welt, verdrängte es, lief davor davon. Aber man kann nicht vor sich selbst davon laufen. Nicht für immer. Es ist eine aussichtslose Flucht. Am Ende wird die Wahrheit einen immer wieder einholen.
Ich hatte von Anfang an gewusst, dass ich anders war und auch was ich war. Ich hatte es jede Nacht in meinen Träumen gesehen, schon als kleines Kind, sicherlich sogar schon als Baby. Meine Zieheltern hatten mir erzählt, dass ich immer viel geschrien hatte und nicht einschlafen wollte. Genauso wie ich, als ich älter wurde, ebenfalls nicht hatte einschlafen wollen und es soweit wie möglich hinausgezögert hatte.
Wenn ich heute die Augen schließe, lächle ich über das, was ich sehe. Es ist die Geschichte meiner Vorfahren, die unweigerlich auch meine Geschichte ist. Ich bin stolz darauf, froh, ein Teil davon zu sein, anders zu sein.
Ich lasse meine Hand von meinem Herzen runter zu meinem Bauch gleiten. Ich weiß, dass das Feuer überall in mir ist, aber ich stelle mir gerne vor, dass es in meiner Mitte am stärksten brennt, als gäbe es dort eine Quelle, ein Urfeuer sozusagen.
Tief atme ich ein und aus. Meine Augen sind noch immer geschlossen. Ich rieche das Flusswasser und die Pflanzen und spüre den milden Wind durch meine Haare fahren. Es ist so ruhig und still, während es in mir immer laut und wild ist.
Es war schon immer da, das Feuer. Doch erst, als ich alt genug war, als ich 16 Jahre alt wurde, erwachte es und es ist noch dabei zu wachsen. Noch bin ich nicht einmal 18 und es wird wachsen bis ich 25 Jahre alt bin. Erst dann wird es aufhören. Bis dahin muss ich lernen, es zu kontrollieren.
Ich werde heute aufbrechen, zu den Feuermeistern, die hoch in den roten Bergen weit weg von dem Tal, in dem ich lebe, das ich mein Zuhause nenne, wohnen.
Ich öffne die Augen wieder und blicke über den schmalen Fluss hinweg auf die weiten Felder hinaus. Es ist so schön hier, so friedlich. Meine Mutter traf eine sehr gute Wahl, als sie mich hierher brachte, um mich vor denen zu retten, die unser Volk töteten. Ich bin ihr sehr dankbar. Für alles. Auch wenn sie bloß als Gesicht aus meinen Träumen kenne. Meist schaut sie verzweifelt, bestürzt, gehetzt, aber immer auch liebevoll und ganz zum Schluss lächelt sie jedes Mal und küsst mich auf die Stirn. Sie sagt mir: „Bleib stark und unerschrocken, kleines Drachenmädchen. Auf das dein Lebensfeuer niemals erlöschen möge.“
Ich werde ihre Worte nie vergessen. Ich werde alles tun, um stark und unerschrocken zu sein und mein Lebensfeuer ewig brennen zu lassen. Ihr zu liebe, unserem Volk zuliebe.
Denn ich bin die Letzte meiner Art, die letzte Überlebende, das letzte Kind der Drachen.

52/52 Challenge: Grau in Grau, Schwarzweiß oder das Weiße im Schwarzen II

Und die Nr. 51.
Jetzt wird 52 geschrieben!

Wort: Fieber
Wörter: 630

Grau in Grau, Schwarzweiß oder das Weiße im Schwarzen II

Stöhnend ließ Hendrik sich auf das Sofa fallen. Seine Glieder, sein ganzer Körper war so schwer, dass es ihm vorkam, als würde er nie wieder von diesem Sofa aufstehen können, nachdem er sich mühselig aus seinem Zimmer hierher geschleppt hatte.
Es war schon eine echter Kraftakt den Arm auszustrecken und die Fernbedienung in die Hand zu nehmen und auf den Knopf zu drücken, um den Fernseher einzuschalten.
Nein, tue das nicht!“, wurde er plötzlich von einem Aufschrei gefolgt von einem Husten in seinem Tun unterbrochen.
Erschrocken wandte Hendrik den Kopf und sah zwei Augen unter der Decke hervorblicken, die auf dem anderen Sofa lag. Jetzt erst erkannte er, dass unter dieser Decke jemand lag und zwar sein Mitbewohner Nale.
Man, hast du mich erschreckt“, beschwerte Hendrik sich, aber es klang sehr halbherzig. Er war weder wirklich verärgert noch wirklich erschrocken und auch sonst hätte er nicht die Kraft, sich groß über Nale aufzuregen. Er war einfach völlig erschöpft und am Ende und am Sterben und einfach sterbenskrank. Okay, es war wahrscheinlich nur ein grippaler Infekt oder sowas. Aber es war dennoch die Hölle!
Deswegen fragte er auch gar nicht nach, was Nale da eigentlich tat. Er schaffte es ja kaum, die Augen offen zu halten. Vielleicht sollte er wieder ins Bett, aber selbst schlafen war furchtbar anstrengend.
Fernsehen war vielleicht weniger anstrengend... Oder so. Irgendetwas musste er sich auf jeden Fall dabei gedacht haben, als er entschieden hatte, von seinem Zimmer ins Wohnzimmer zu wechseln. Vielleicht hatte er auch eigentlich gar nicht hier her gewollt? Keine Ahnung. Jetzt war er auf jeden Fall hier und würde erstmal hier bleiben.
Mach den wieder aus“, jammerte Nale. „Ich bin krank. Mach den Fernseher aus!“
Geh doch in dein Zimmer“, meinte Hendrik etwas irritiert und schaute zu seinem Mitbewohner rüber. So kannte er Nale gar nicht. Den musste es ja echt erwischt haben, wenn er schon so rumjammerte.
Ich glaube nicht, dass ich das schaffe. Mir war vorhin schon total schwindelig und Fieber habe ich bestimmt auch“, meinte er. „Und ich habe Angst, wenn ich mich bewege, das mir dann schlecht wird.“ Beim Sprechen bewegte sich die Decke, die er bis über seine Nase gezogen hatte. Wie konnte er denn darunter atmen?
Komme mir bloß nicht zu nahe. Schlecht ist mir bisher nämlich noch nicht. Aber ansonsten geht es mir auch ziemlich beschissen“, gab Hendrik zurück, schaltete den Ferseher aus und nahm sich ebenfalls eine Decke.
Eine Weile lagen sie so da, jeder auf seinem Sofa, jeder mit seiner Decke, jeder mit seinem Leid.
Hühnerbrühe oder Tee oder sowas würde bestimmt helfen“, meinte Nale irgendwann.
Ja, könnte schon sein.“ Hendrik atmete schwer. Das Nasenspray hatte er in seinem Zimmer liegen gelassen und seine Nase setzte sich gerade wieder zu.
Wunderbar“, murmelte Hendrik in die wieder eingekehrte Stille hinein. Nale gab irgendein undefinierbares Geräusch von sich. „Sag mal, wo ist eigentlich dein Optimismus geblieben? Und du quasselst auch gar nicht so viel wie sonst. Es muss wirklich ernst sein“, fragte Hendrik dann.
Nale grummelte irgendetwas. „Fieber darf man nicht unterschätzen“, meinte er.
Hendrik atmete tief durch den Mund ein und aus und musste husten. Klasse. Wirklich klasse. Krank sein war schrecklich. Wenn selbst Nale nicht fähig war, positiv zu denken...
Uns fehlt ein dritter Mitbewohner, der weder pessimistisch noch optimistisch ist. Jemand, dem alles gleichgültig ist“, stellte Nale fest.
Und was würde uns das bringen?“, wollte Hendrik wissen.
Na ja, wenn wir hier rumjammern oder du total demotiviert bist und ich total motiviert bin, kann er sich daneben stellen oder setzen und sagen, dass ihm alles egal ist.“
Und das bringt uns in wieweit etwas?“
Es wäre lustig.“
Du bist doch bescheuert.“
Danke.“
Das war kein Kompliment!“

Donnerstag, 11. Juni 2015

52/52 Challenge: Der Silberring

Nr. 50. \o/
Viel Spaß beim Lesen. :D

Fandom: Kuroko no Basket

Wort: Silber
Wörter: 1767


Der Silberring

Kurokos Sicht
Still lag ich in seinem großen Bett. Es war wirklich groß, viel größer als mein eigenes und eher für zwei Personen gemacht. Aber na ja, er war auch eine große Person, im Gegensatz zu mir. Er brauchte so ein großes Bett. Ich würde mich verloren fühlen, wenn ich so ein großes Bett hätte.
Jetzt gerade fühlte ich mich nicht verloren, obwohl ich alleine in diesem großen Bett lag. Wir hatten ja vorher zusammen hier drin gelegen. Wir hatten sogar mehr getan, als nur zu liegen. Ich fasste mir an die Wangen. Sie waren immer noch ganz warm. Mein ganzer Körper war immer noch ganz warm und pochte im Rhythmus meines schnellen Herzschlags. Einigermaßen zu Atem gekommen war ich aber zum Glück schon wieder.
Ich legte eine Hand über mein wild pochendes Herz und fragte mich, ob es je so schnell geschlagen hatte. Wie war es bei den anderen beiden gewesen? War es auch so heftig, so intensiv gewesen? Es war anders gewesen, das auf jeden Fall. Auch wenn Aomine und Kagami sich ähnelten, so war Kagami doch ganz anders als Aomine. Und Kise war sowieso anders als die Beiden. Wenn ich den größten Unterschied benennen sollte, würde ich sagen, dass Aomine und Kise beide sehr übermütig gewesen waren. Die Beiden hatten sich, mir, unserer Beziehung nicht viel Zeit gelassen. Sie hatten sich und mich Hals über Kopf hineingestürzt.
Kagami war anders, zurückhaltender, vorsichtiger, unsicherer. Ich mochte das sehr an ihm. Wobei ich es auch sehr mochte, dass er in vielen Dingen auch sehr sicher und entschlossen war. Er war einfach wundervoll.
Ich drehte mich auf die Seite und schaute auf die Badezimmertür, hinter der er vor ein paar Minuten verschwunden war. Er wollte schnell duschen, hatte er gesagt. Er wollte mir nicht zu viel auf einmal zu muten, hatte er gedacht. Es war so süß von ihm. Es machte das mit Uns zu etwas sehr Besonderem und ihn auch. Er verzichtete freiwillig auf mehr Sex, obwohl ich ganz sicher nicht Nein gesagt hätte und er das auch ziemlich sicher wusste.
In seiner Eile, schnell von mir wegzukommen, um seine Beherrschung nicht doch noch zu verlieren, hatte er vergessen, dass ich eigentlich derjenige von uns Beiden war, der eine Dusche oder ein Bad eher nötig hatte. Das würde ihm gleich sicherlich sehr leid tun und das wäre wieder sehr süß von ihm.
Ich lächelte vor mir hin, als mein Blick mit einem Mal auf etwas Glänzendes auf seinem Nachttisch fiel. Seine Kette mit dem Ring, die er immer trug. Als ich hergekommen war, hatte er sie in der Hand gehalten. Sie war ihm sehr wichtig, das war offensichtlich. Was sie ihm wohl bedeutete?
Vorsichtig setzte ich mich auf und nahm sie genauso vorsichtig in die Hand. Es war echtes Silber, der Ring und die Kette. Der Ring musste teuer gewesen sein. Ein Ehering? Von seinem Großvater oder seiner Großmutter vielleicht? Oder war einer seiner Elternteile bereits tot?
Ich verzog das Gesicht, aufgrund der Tatsache, dass ich es nicht wusste, dass wir erst so wenig übereinander wussten. Ich konnte es mir nicht erklären, warum ich nie auf die Idee gekommen war, ihn nach der Kette und dem Ring zu fragen. Genauso wenig konnte ich mir erklären, warum es bisher zwischen uns immer größtenteils um mich gegangen war. Er hatte schließlich genauso eine Vergangenheit, wie ich.
Ich fühlte mich etwas schlecht deswegen. Wenn er geduscht hatte, würde ich ihn ausfragen. Ich wollte unbedingt mehr über ihn wissen, so viel mehr, alles. So wie ich wollte, dass er alles über mich wusste.
Ich legte die Kette zurück auf den Nachttisch und wartete. Wie ich es mir gedacht hatte, war er etwas panisch, als er aus der Dusche kam. Dass zeigte auch das Handtuch, welches er um seinen Kopf gewickelt hatte. Das hatte er bestimmt vorher abmachen wollen. Ich konnte nur grinsen und etwas versuchen, ihn zu beschwichtigen, dass es nicht so schlimm wäre und ich sowieso erstmal hatte runterkommen müssen und mein Körper sich etwas hatte entspannen müssen.
Schließlich hatte ich ihn soweit, dass er aufhörte, sich zu entschuldigen und mir stattdessen bis in die Dusche helfen wollte, was wohl auch besser war. Meine Beine zitterten nämlich etwas, als ich aufstand. Meine Hüfte und mein Anus schmerzten sich besonders heftig, da kannte ich schlimmeres. Kagami war wirklich sehr sanft gewesen. Aber es war doch etwas länger hergewesen bei mir und spurlos ging sowas an einem Körper sowieso nie vorbei.
Also ließ ich mich etwas von ihm stützen, bis ich mich in dem recht kleinen Badezimmer irgendwo festhalten konnte.
Hier sind deine Handtücher. Duschgel, Shampoo kannst du natürlich alles benutzen. Wenn du noch was braucht, ruf mich“, meinte er und lächelte. Er klang irgendwie hektisch und er war nach wie vor ziemlich nervös. Vielleicht weil wir beide noch nackt waren und er noch immer Angst hatte, die Beherrschung zu verlieren. Er war wirklich unheimlich süß.
Danke“, erwiderte ich lächelnd.
Ich beziehe dann mal das Bett neu. Bis gleich.“
Er wollte schon aus der Tür raus, da rief ich ihn nochmal zurück: „Kagami?“
Hm?“
Er drehte sich zu mir um und sah mich fragend an. Ich tat, vielleicht etwas langsam, die zwei Schritte, die uns trennten, stellte mich auf die Zehenspitzen und drückte einen Kuss auf seine Lippen.
Es war toll. Du kannst dich entspannen. Es muss nicht perfekt sein“, lächelte ich. Er sah mich sprachlos an, wie immer, wenn ich so direkt war. Dass ihn das jedes Mal wieder so sehr überraschte. Ebenfalls wirklich süß von ihm.
Danke“, erwiderte er lächelnd und atmete tief durch. „Ich will einfach nur alles richtig machen.“
Machst du. Du brauchst dir wirklich keine Sorgen zu machen“, beteuerte ich noch einmal und küsste ihn ein zweites Mal, bevor er das Bad verließ und ich die Decke, mit der ich meinen Körper bedeckt hatte, fallen ließ und unter die Dusche stieg.
Als ich fertig war, meine Haare soweit trocken gerubbelt hatte und mir ein Handtuch umgebunden hatte, trat ich wieder in sein Zimmer und fand ihn erneut mit der Kette in der Hand vor. Dieses Mal saß er nicht auf der Bettkante, sondern saß richtig auf dem Bett, die Beine unter der Decke, aber das Bild war trotzdem sehr ähnlich und auch der Ausdruck auf seinem Gesicht.
Die Augenbrauen hatte er zusammengezogen und mich bemerkte er im ersten Moment gar nicht. Erst als ich etwas nähergekommen war, blickte er auf und legte die Kette mit dem Silberring schnell wieder auf seinen Nachttisch.
Deine Sachen liegen da vorne auf der Kommode. Aber wenn du bleibst.“ Er deutete mit einem Kopfnicken auf sein Fußende, wo ein T-Shirt und eine Boxershorts lagen. „Die Boxershorts ist in der Wäsche eingelaufen, also passt sie dir vielleicht.“
Bist du sicher, dass du dich in so einem Outfit und dann auch noch einem T-Shirt von dir, weiter so toll beherrschen kannst?“, fragte ich. Ich konnte einfach nicht anders. Und ich würde mich nie daran sattsehen, wie er errötete. Vor allem, weil es auch so wunderbar zu seinen roten Haaren und Augen passte.
Vielleicht solltest du doch besser gehen“, murmelte er und schaute zur Seite.
Du schafft das schon. Ich vertraue dir“, sagte ich, nahm die Sachen vom Fußende des Bettes und verschwand noch einmal kurz im Bad.
Das Shirt war schwarz und wirklich ziemlich groß. Die Boxershorts war auch etwas zu groß, aber es war gerade noch okay. Trotzdem war ich mir recht sicher, dass es Kagami um den Verstand bringen würde, mich so zu sehen.
Als ich aus dem Bad kam, war er zum Glück mit seinem Handy beschäftigt, sodass ich mich sehr leise zum Bett schlich, damit er mich nicht bemerkte. Wie er mich dann doch bemerkte, lag ich bereits neben ihm unter der Decke, die ich bis zur Nasenspitze hochgezogen hatte. Ich schielte zu ihm rüber, darauf bedacht, mich ja nicht zu bewegen.
Jetzt übertreibst du. Ich dachte, du vertraust mir“, meinte er etwas beleidigt und legte sein Handy zur Seite.
Ich vertraue dir, ja. Aber ich bin mir auch meiner Wirkung auf deinen Penis sehr bewusst“, erklärte ich.
Na, dann danke, dass du meinem Penis nicht vertraust.“ Er klang noch immer etwas beleidigt, musste dann aber lachen. „Wobei das vielleicht besser ist.“
Ich schlug die Decke etwas zurück, damit er mein Grinsen sah, das schnell zu einem glücklichen Lächeln wurde, während ich näher an ihn heranrückte und meinen Kopf an seine Hüfte lehnte.
Wollen wir schlafen?“, fragte er und strich mir durchs Haar. Der Ausdruck in seinen Augen war so liebevoll, dass ich mich augenblicklich total geborgen und Zuhause und richtig fühlte.
Ich schloss die Augen und genoss dieses Gefühl einfach für einen Moment. „Du kannst ja schon mal das Licht aus machen“, schlug ich vor, was er dann auch tat. Und er legte sich ebenfalls hin.
Ich schmiegte mich etwas an ihn, war aber vorsichtig. Wenn er sich vorgenommen hatte, sich zusammen zu reißen, wollte ich ihm diesen Vorsatz nicht kaputt machen.
Als er, ebenfalls etwas vorsichtig, einen Arm um mich legte und mich an sich drückte, legte ich meine Hände auf seine Brust und schaute in sein Gesicht. Langsam gewöhnten sich meine Augen an die Dunkelheit.
Ich wartete noch einen Moment, bevor ich fragte: „Verrätst du mir, was es mit dem Silberring an der Kette auf sich hat?“
Er seufzte. „Ist eine lange Geschichte.“
Ich höre gerne zu.“
Er seufzte erneut. „Das würde die Stimmung ziemlich kaputt machen“, meinte er.
Ich glaube, nichts kann dieses Gefühl gerade kaputt machen. Und früher oder später wirst du es mir sowieso erzählen müssen.“
Er sagte erstmal nichts mehr. Ich dachte kurz, er wäre vielleicht eingeschlafen und schloss selbst die Augen. Ich wollte auch nichts erzwingen oder ihn drängen. Doch dann spürte ich seinen Blick wieder auf mir.
Der Ring steht für einen Jungen, in den ich mal ziemlich verknallt war. Er hat auch so einen. Er steht für unsere Bruderschaft. Durch ihn hab ich gemerkt, dass ich schwul bin, aber er ist es nicht. Ich denke manchmal zu oft an ihn, habe ich das Gefühl“, erklärte er leise.
So lang ist die Geschichte doch gar nicht“, bemerkte ich und schob mich etwas hoch, um ihn zu küssen. „Wenn du darüber reden willst, ich bin immer für dich da.“ Er nickte leicht und lächelte und küsste mich auch noch einmal.
Langsam machten sich Müdigkeit und Erschöpfung in mir breit und gähnte herzhaft.
Schlafen?“, fragte er.
Schlafen“, antwortete ich und wenig später war ich auch schon eingeschlafen.
Zu dem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, wie viel Ärger uns der Silberring noch einbringen würde...

52/52 Challenge: Unsere Liebe wird nicht welken

Die Nr. 49.
Und später kommt noch 50. Und 51 und 52 muss ich noch schreiben und morgen ist schon der letzte Tag. o_o
Sollte ich aber schaffen. ;D
Viel Spaß beim Lesen. :)

Fandom: Sweet Amoris
Hier ist sozusagen der erste Teil: Alle Farben dieser Welt

Wort: Rose
Wörter: 1950


Unsere Liebe wird nicht welken

Alexys Sicht
Unschlüssig stand ich vor dem Spiegel und betrachtete mein Outfit. Fünf Mal hatte ich mich jetzt umgezogen. Oder war es öfter gewesen?
Ich war ja sowieso ziemlich modekritisch und selbstkritisch und überhaupt. Und dann ging es heute auch noch um das Outfit für das erste, richtige Date mit Lysander! Es war mir wirklich sehr wichtig und ich war super nervös.
Ich wollte was anziehen, dass sowohl zu mir als auch irgendwie zu ihm passte. Etwas, dass zeigte, dass ich mir Gedanken gemacht hatte und dass er mir genauso aufgefallen war, wie ich ihm. Gedichte schreiben oder sowas konnte ich nicht. Mode war eigentlich das Einzige, in dem ich so wirklich gut war. Das Einzige, worüber ich glaubte, mich ausdrücken zu können. Deshalb musste das heutige Outfit perfekt sein!
Mir war klar, dass Lysander nicht so ein oberflächlicher Mensch war. Genau das war ja auch etwas von den Dingen, die ich so sehr an ihm mochte. Er sah mehr, immer und überall. Und er sah klar. Er sah das, was wirklich war und nicht nur, was so schien. Bei ihm hatte ich immer das Gefühl, dass er mich sah und nicht nur mein Äußeres oder meine fröhliche Art. Er sah mehr und er wollte noch viel, viel mehr sehen und über mich erfahren. Das hatte er mir mit seinem Gedicht deutlich gemacht. Und auch, was er fühlte, hatte er mir damit zu verstehen gegeben.
Ich hatte es schon eine kleine Weile lang geahnt, war mir aber nicht sicher gewesen, weil Lysander immer so wenig von sich Preis gab. Doch dieses Gedicht und vor allem der Kuss hatten mir dann bewiesen, dass ich Recht hatte.
Nach wie vor war ich überrascht, wie leicht alles bisher gewesen. Ich war schon einige Male verknallt gewesen und ein, zwei Mal auch etwas verliebt. Eine richtige Beziehung hatte ich erst einmal gehabt, mit 14. Das hatte ein paar Monate lang gehalten und er war sehr süß gewesen, wir waren sehr süß gewesen. Aber es war letztendlich sehr oberflächlich und nicht sonderlich ernst gewesen.
Jetzt war ich älter und was ich für Lysander fühlte, was er für mich fühlte, das war etwas Tiefes. Ich spürte das und ich hoffe, er auch.
Aber tiefe, wirklich wichtige Dinge, gerade wenn es um Liebe ging, wurden doch irgendwann immer kompliziert, oder? Es musste einfach irgendein Harken an der Sache sein. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass es so einfach sein sollte. Wobei natürlich sehr froh darüber war. Es war wundervoll und ich wollte auch auf keinen Fall den Teufel an die Wand malen. Aber ich wollte auch einfach nicht zu blauäugig an die Sache herangehen.
Vielleicht hatte ich auch einfach Angst, weil es sich nach so einem großen Ding anfühlte.
Ich wechselte noch einmal das T-Shirt und trat erneut vor den Spiegel. Ich war immer noch unschlüssig. Seufzend warf ich einen Blick auf mein Handy und erschrak. Ich müsste eigentlich sofort los zum Bus.
Noch einmal warf ich einen Blick in den Spiegel. Das T-Shirt, dass ich gerade trug, war weiß und hatte in der Mitte den Aufdruck einer Feder in Regenbogenfarben. An dieses T-Shirt hatte ich als erstes gedacht, als ich mir überlegt hatte, was ich zu dem Date anziehen könnte. Die Regenbogenfeder war eine tolle Anspielung auf das Gedicht, das er mir geschrieben hatte und unseren ersten Kuss. Doch ich hatte irgendwie das Gefühl, das es zu viel sein könnte. Zu aufdringlich und zu offensichtlich.
Ich schaute rüber zu meinem Bett, wo die anderen Klamotten, die ich bereits anprobiert hatte, lagen. Es waren so viele. Ich war schon allein mit der schieren Auswahl überfordert. Aber als ich jetzt an mein Bett trat, hatte ich ein bestimmtes Oberteil im Kopf und zog es nach kurzem Wühlen hervor.
Es war ebenfalls weiß und in der Mitte befand sich eine rote Rose im Vintage Stil. Ich liebte diesen Oberteil, aber hatte es bisher erst sehr selten getragen. Aus irgendeinem Grund würde ich es sehr gerne zu dem Date anziehen, auch wenn ich nicht recht wusste, wieso.
Vielleicht, weil die erste Zeile der letzten Strophe seines Gedichts über mich lautete: Ich sehe dich im Rot der Rosen. Besonders diese Zeile hatte sich mir einfach ins Gedächtnis gebrannt.
Kurzerhand zog ich das Oberteil mit der Feder aus und das mit der Rose an. Noch einmal ein Blick in den Spiegel, aber zu der beigen Hose, die an den Enden der Hosenbeine ein klein wenig hochgekrempelt war, passte so gut wie alles, vor allem weiß sehr gut. Und ich mochte das etwas dunklere Rot der Rose sehr.
Ich glaube, ich war tatsächlich zufrieden. Und wenn ich jetzt nicht losrannte, würde ich den Bus verpassen und zu spät kommen!
Schnell schnappte ich mir meine kleine, braune Umhängetasche und meine schwarze Sweatshirtjacke, bevor ich die Treppe runterpolterte und aus der Haustür stürmte. Ich rannte zur Bushaltestelle und schaffte es noch gerade so durch die Tür. Schwer atmend hielt ich mich irgendwo fest und brauchte erstmal ein paar Minuten, um mich von dem Sprint zu erholen. Sport war ja sowieso schon nicht unbedingt mein Ding und Ausdauer besaß ich erst recht keine.
Als ich wieder etwas zu Atem gekommen war, setzte ich mich und checkte mein Handy. Aber Lysander war niemand, der einem viele Nachrichten schickte. Meist hatte er sein Handy nicht einmal dabei oder es war aus.
Also konnte ich nur nervös dasitzen und darauf warten, dass ich endlich beim Kino ankam. Mein Herz schlug immer schneller und die Aufregung ballte sich in meinem Magen zusammen. Ich überlegte, ob ich nicht doch besser das T-Shirt mit der Regenbogenfeder hätte anziehen sollen, aber jetzt war es sowieso zu spät. Kurz hatte ich auch Panik, mein Geld und meinen Schlüssel Zuhause vergessen zu haben, aber es war alles in meiner Tasche.
Meine Beine zitterten, als ich schließlich aufstand, da der Bus beim Kino angekommen war. Ich atmete tief durch, nachdem ich ausgestiegen war. Erst dann drehte ich mich um und überquerte die Straße, da sich das Kino auf der anderen Seite befand. Lysander wartete vor dem Eingang auf mich.
Ich musste unweigerlich grinsen, als ich sah, dass auch er sich ziemlich Gedanken gemacht haben musste, denn so wie er gekleidet war, hatte ich ihn noch nie gesehen. Er trug eine schwarzweiß karierte Hose mit schwarzen Hosenträgern und dazu ein weißes, langärmeliges Shirt. Er sah unheimlich gut aus, schon fast zu gut, um wahr zu sein, um wirklich mein Date zu sein.
Hey, Alexander“, begrüßte er mich und lächelte dieses angedeutete Lächeln, das sein Gesicht so viel lebendiger und unheimlich sexy wirken ließ. Ich merkte erst jetzt, wie sexy ich ihn eigentlich fand. Auch wenn ich eigentlich jemand war, der sehr auf Äußerlichkeiten achtete, waren mir bei Lysander sehr schneller eher seine Eigenschaften aufgefallen. Beziehungsweise nahm ich ihn als ganze Person wahr und ich wollte so gerne noch sehr viel mehr über ihn erfahren. Das Gedicht, der Kuss, dieses Date – das war erst der Anfang. Und es war jetzt schon so unheimlich toll.
Hi, Lysander“, brachte ich hervor und kurz standen wir uns in unangenehmes Schweigen gehüllt gegenüber. Dann hielt er mir plötzlich etwas entgegen, das er zuvor hinter seinem Rücken versteckt hatte. Eine Rose. Eine Rose! Nein, wie passend! Eine Rose.
Das ist gerade zu perfekt“, flüsterte ich, schlang die Arme um Lysanders Nacken und küsste ihn. Ich spürte an meinen Lippen, wie er lächelte. Als wir uns wieder voneinander lösten, war sein Lächeln breit und überglücklich. Ich hatte ihn noch nie so lächeln gesehen. Er wirkte richtig befreit, losgelöst. Es fühlte sich toll an, ihn so zu sehen und fast noch toller war der Gedanke, dass nur ich ihn so sah, mehr noch, dass ich der Grund für seine offen gezeigte Freude war, dass er nur mir diese Freude so direkt zeigte, zeigen konnte, zeigen wollte.
Gehen wir rein“, meinte er und fasste meine Hand. Ich nickte lächelnd und schob meine Finger zwischen seine.
Lysander hatte einen wundervollen Film ausgesucht. Ich mochte so ziemlich jede Art von Film, außer Horrorfilme, die waren nicht so meins, weil ich doch jemand war, der sich sehr gruselte. Doch mir war klar gewesen, dass ich Lysander, was die Filmwahl betraf, absolut vertrauen konnte. Der Film, den er ausgesucht hatte, hatte Tiefe, tolle, rührende Zitate und richtige Gänsehautmomente. Es war was Historisches gemischt mit einer Lovestory. Es war wirklich sehr toll.
Ich sprudelte regelrecht über, als der Film zu Ende war. „Das war so toll! Jede. Einzelne. Sekunde! Wir müssen unbedingt nochmal zusammen ins Kino. Oh und wir müssen unbedingt einen DVD-Abend machen! Kennst du diesen einen Film, wo...“, plapperte ich vor mir hin. Armin hätte mich längst unterbrochen, aber Lysander sah aus, als würde er es sogar genießen, mir zuzuhören.
Trotzdem hatte ich das blöde Bedürfnis, mich irgendwann entschuldigen zu müssen, als mein Redefluss erstmal so halbwegs befriedigt war. „Ich wollte dir kein Ohr abkauen. Ich bin einfach so überwältigt. Und ich kannte bisher niemanden, der auch solche Filme mag. Was hältst du eigentlich von Musicals? Oh, ich könnte die ganze Zeit so weiterplappern.“ Ich schaute zur Seite, weil meine Wangen warm wurden.
Ich mag Musicals, ja. Und das mit dem DVD-Abend und weiteren Kinobesuchen müssen wir auf jeden Fall machen. Und ich höre dir sehr gerne zu, Alexander“, erwiderte Lysander mit seiner ruhigen, sanften, wundervollen Stimme. Ich schmolz dahin, wegen allem, was er war.
Jetzt waren alle Worte, die mir zuvor nur so aus dem Mund geflossen waren, irgendwie verschwunden. Ich wollte viel lieber ihm zuhören.
Lass uns noch etwas spazieren gehen“, schlug er vor. Ich nickte. Da sich gleich gegenüber vom Kino ein Park befand, bot sich das ohnehin an und genau darauf hatte ich auch Lust. Die laue Spätsommerwärme kam da auch sehr gelegen.
Wir liefen schweigend Hand in Hand, aber es war ein sehr schönes, harmonisches Schweigen. Ich könnte ewig einfach nur mit ihm durch diesen Park laufen und Schweigen. Manchmal brauchte es gar keine Worte. Und ich war jemand, der sehr gerne sehr viel redete und das auch brauchte! Aber bei Lysander war es anders. Er gab mir die Ruhe, die mir oft so sehr fehlte. Gott, wir ergänzten uns sogar viel zu gut.
Die Rose ist übrigens nicht einfach nur ein Geschenk zu unserem ersten Date. Sie steht auch symbolisch für etwas“, meinte Lysander irgendwann.
Erzähl“, lächelte ich begeistert. Das ließ er sich nicht zwei Mal sagen.
Rot sind die Rosen, Rot das Gefühl der Liebe
Doch können sie welken und uns mit ihrem Schmerz schier erstechen
Rot ist auch das Blut, Rot das Herz
Wenn es aus offenen Wunden fließt und nicht mehr schlagen will
Kräftig und vehement, stechend hell
Ich fühle es in meiner Brust
~
Und sehe ich die Rosen, wie sie leuchten und dein Lächeln
Ist es traurig, dass das alles könnte zerbrechen
Denn Rosen welken und Gefühle verblassen allzu oft
Doch ist die Liebe nicht immer ein Strauß rote Rosen
Während die Schönheit von Blumen vergeht,
unsere Liebe stets fortbesteht
Das ist wunderschön“, sagte ich leise und bewundernd.
Es ist das, wovor ich Angst habe und das, was ich mir erhoffe“, erklärte er ebenso leise, bedächtig. Sein Lächeln war etwas verlegen. Er gab sonst nicht so viel Preis von sich. Es war etwas Besonderes. Ich war etwas Besonderes für ihn und es machte mich unheimlich glücklich.
Lass uns zusammen Angst haben und hoffen“, lächelte ich und er blieb stehen, legte eine Hand an mein Gesicht und zog es zu seinem heran.
Das war er, der magische Anfang von etwas Großem, Wundervollem, Magischem. Der Anfang, so vieles würde noch passieren. Auch schmerzhaftes, sicherlich. Aber ich war dafür bereits. Ich spürte einfach, dass Lysander und ich es schaffen würden. Mein Herz sagte es mir. Unsere Liebe würde nicht welken.

Dienstag, 9. Juni 2015

52/52 Challenge: Die Gedankenleserin

Nr. 48. :)
Viel Spaß beim Lesen.

Wort: Gedanke
Wörter: 767

Die Gedankenleserin

Das erste Mal passierte es, als ich noch sehr jung war. Ich war damals sehr verwirrt, als ich auf die ungesagten Worte antwortete und erschrocken angesehen wurde.
Ich lernte sehr schnell, dass ich vorsichtig sein musste, auf was ich antwortete und zu was ich besser nichts sagte. Am Anfang konnte ich die ungesagten von den gesagten Worten kaum unterschieden. Aber das wurde von Mal zu Mal leichter.
Dennoch war es oft sehr verwirrend. Manchmal unterschieden sich ihre gesagten Worte sehr von ihren ungesagten. Auf welche Worte ich reagieren durfte und musste, wusste ich. Aber welche Worte waren denn nun die Wahren?
Doch auch das fand ich relativ schnell heraus. Die wahren Worte waren eigentlich immer die ungesagten. Bei mir war das ja auch so. Schon allein deshalb, weil ich auf die ungesagten Worte nicht antworten konnte und durfte.
Noch etwas veränderte sich mit der Zeit. Als Kind hörte ich von Jedem in meiner Nähe die ungesagten Worte. Je älter ich wurde umso weniger Leute wurden es. Schließlich konnte ich nur noch von einer einzigen Person in meiner näheren Umgebung die ungesagten Worte hören. Welche Person das war, änderte sich jeden Tag.
Ich war ganz froh, dass es nur noch eine Person war. Das machte das Konzentrieren um einiges leichter. Denn tun konnte ich meist nichts. Was sollte ich auch schon tun? Viele Menschen hatten belanglose ungesagte Worte oder immer nur die Gleichen oder solche, die mich einfach nichts angingen. Es ging mich ohnehin eigentlich nichts an.
Doch wenn die für den Tag auserwählte Person so jemand wie einer meiner Eltern war, konnte ich ihnen manchmal kleine Freuden machen und das war schon schön.
Ansonsten hatte es aber eher unzählige Schattenseiten. Natürlich versuchte ich, wenn ich die ungesagten Worte depressiver Mitschüler hören konnte, diesen Personen irgendwie zu helfen. Aber es war wirklich nicht leicht. Wie sollte ich auch jemandem helfen, der mich gar nicht oder nur sehr wenig kannte? Natürlich konnten diese Personen mir nicht einfach vertrauen. Das würde ich an ihrer Stelle auch nicht tun. Schon allein deshalb, weil ich bereits als Kind auch viele schlimme, ungesagte Wörter gehört hatte.
Mit das Schlimmste war, dass die ungesagten Worte von jemandem zu hören, diesem Jemand alle Magie nahm. Nachdem ich Jemandes ungesagte Worte kannte, wenn auch nur für einen Tag, zerstörte das jedes Mal meine Vorstellung von dieser Person. Ich lernte sie dadurch unfreiwillig kennen und zwar auch das, was sie anderen vorenthielten, gerade das.
Das war wohl mit einer der Gründe, warum ich nicht viele Freunde hatte. Ich wollte ihre ungesagten Worte nicht kennen. Nicht solange sie sie mir nicht verraten wollten und sie somit keine ungesagten Worte mehr wären.
Es war ein Fluch. Ich würde es eindeutig als Fluch bezeichnen.
Bis zu dem Tag, an dem ich seinen ersten Gedanken hörte. Er arbeitete in einem Café in der Nähe der Schule, auf die ich ging. Ich hatte ihn ein paar Mal gesehen, als ich mir im Café etwas gekauft hatte und er gerade Schicht hatte. Er war ganz niedlich, ziemlich mein Typ und er war nett und hilfsbereit. Ich war schon ein bisschen verknallt in ihn und würde ihn eigentlich ganz gerne näher kennenlernen.
Nur würde ich dann früher oder später für einen Tag seine Gedanken zu hören bekommen und darauf war ich nicht wirklich scharf.
Dieser Fluch, der auf mir lag, behinderte mich beim Aufbau einer jeden längeren Beziehung, ob es jetzt Freundschaft oder was in Richtung Liebe war. Es war schrecklich. Ich war froh, dass es bei meinen Eltern halbwegs okay war. Sie waren tolle Menschen, hatten zwar ihre Geheimnisse, aber die waren erträglich. Wobei ich mich natürlich auch da vor dem Tag fürchtete, an dem sich das änderte. Denn es kam auch vor, dass ich die Gedanken einer Person, die ich schon einmal einen Tag lang gehört hatte, an einem anderen Tag wieder zu hören bekam.
Oftmals waren es aber Personen, mit denen ich absolut nicht rechnete, obwohl ich ja wusste, dass es Jeden treffen konnte. Dass ich viele der Personen gar nicht wirklich kannte oder einfach noch nie richtig bemerkt hatte, war klar. Trotzdem war ich manchmal sehr überrascht, wen es trag. Nicht zuletzt aus dem Grund, dass ich mich sehr oft fragte, warum ich diese Fähigkeit oder wie immer man es nennen mochte, besaß.
Viel überraschender als die Person selbst, waren aber oftmals die Gedanken an sich. Viele verbargen so vieles von sich hinter einer Maske oder zeigten es schlichtweg nicht nach außen.
Doch was mich bei ihm, dem Jungen aus dem Café, so überraschte, war, dass sein erster Gedanke an dem Tag war: „Ich weiß, dass du mich hören kannst.

Montag, 8. Juni 2015

52/52 Challenge: Die schwarze Katze

Und die Nr. 47.
Wenn alles gut läuft, ist, wenn dieser Post online geht, bereits Nr. 49 fertig. Oder zumindest angefangen.^^
Viel Spaß beim Lesen. :)

Wort: Figur
Wörter: 715


Die schwarze Katze

Ich war nur eine einfache Figur, absolut nichts besonderes. Aber für zwei Menschen war ich sehr besonders.
Es fing gar nicht groß besonders an. Er nahm mich aus dem Regal, kaufte mich nach kurzem Überlegen und bei ihm Zuhause wurde ich in eine Schachtel getan und diese wurde in Papier eingewickelt.
Die Nacht und einige Stunden am nächsten Tag verbrachte ich in dieser Schachtel. Es war Weihnachten, glaub ich. Manche Leute hatten darüber geredet, als sie an meinem Regal gestanden hatten. Einige der Leute hatten meine Geschwister gekauft, weil die schwarze Katze schlicht und einfach war und eigentlich überall reinpasste. Deshalb hatte er mich wahrscheinlich auch gekauft. Warum auch sonst? Ich war ja nur eine Figur. Da gab es nicht besonders viele Gründe. Ich war eben ein guter Dekogegenstand oder eben nicht. Mehr gab es in meinem Leben nicht. Das war das Leben einer Figur. Das wusste ich schon von dem Moment an, als ich in der Fabrik mit allen anderen zusammen geschaffen worden war.
Irgendwann wurde die Schachtel wieder hochgehoben. Ich hörte, wie das Papier abgerissen wurde. Die Schachtel wurde geöffnet und ich in die Hand genommen. Es war ein junges Mädchen, das mich hielt. Sie musste in etwa so alt sein wie der Junge.
Was ist dein Wichtelgeschenk?“, fragte ein Mädchen, das neben ihr saß und schaute mich an. Sie schien etwas irritiert zu sein. Sie selbst hielt eine Weihnachtsmann Figur in der Hand.
Oh, da ist ja noch etwas in der Schachtel“, stellte das Mädchen, das mich in der Hand hatte, fest und holte einen Zettel aus der Kiste. Sie las ihn leise vor: „Weil eine schwarze Katze für mich kein Pech, sondern Glück bedeutet. Und das wünsche ich dir – Glück.“ Sie schaute irritiert und dann lächelte sie.
Sie legte mich wieder in die Schachtel, doch Zuhause bei ihr wurde ich sogleich ins Regal gestellt und da blieb ich viele Jahre. Ich konnte das gesamte Zimmer überblicken. Sie saß oft an ihrem Schreibtisch oder lag in ihrem Bett. Es war nicht sonderlich aufregend, sie zu beobachten. Im Regal zu stehen, war sowieso nicht besonders aufregend. Aber das sollte es ja auch nicht sein. Figuren hatten nun einmal kein besonders aufregendes Leben.
Doch dann geschah doch etwas aufregendes. Der Junge, der mich gekauft hatte, betrat eines Tages zusammen mit ihr das Zimmer, in dem sie schlief und lernte und lebte. Er sah sich um, als hätte es eine große Bedeutung, dass er da war und das hatte es wohl auch. Sie sah genauso aus, nervös irgendwie.
Er fand mich im Regal und lächelte. „Du hast die schwarze Katze noch“, stellte er fest.
Ja“, sagte sie. „Sie erinnert mich immer daran, positiv zu denken, so wie du es immer tust.“
Wow“, erwiderte er. „Dann hast du mich also wirklich wahrgenommen.“
Ja, die ganze Zeit.“ Ihre Worte klangen so einfach und waren doch so bedeutungsvoll, jedes Einzelne. Was auch immer zwischen ihnen war, es war besonders.
Und das war es tatsächlich. Während die Jahre vergingen, wurde ich zum Symbol ihrer Liebe. Sie zog um und nahm mich mit und stellte mich in ein neues Regal. Manchmal, wenn sie ihn sehr vermisste, stellte sie mich auf ihren Nachttisch. Dann konnte sie besser schlafen. Wenn selbst das nicht half, sah sie mich oft die ganze Nacht an.
Er sagte immer, dass er hoffte, dass es der schwarzen Katze gut ging, wenn ich sie miteinander telefonieren hörte. Und wenn er da war, kam nach ihrer Begrüßung stets die Frage, ob es der schwarzen Katze noch immer gut ging. Sie lachte jedes Mal.
Ich musste immerzu an diese Worte denken, die er damals auf den Zettel geschrieben und zu mir in die Kiste gelegt hatte. Weil eine schwarze Katze für mich kein Pech, sondern Glück bedeutet. Und das wünsche ich dir – Glück.
Ich verstand nicht viel davon, was das war, dieses Glück. Aber ich glaube, das hatte er ihr damals geschenkt, nicht mich. Er hatte ihr Glück geschenkt und ich stand stellvertretend für dieses Glück. Er hatte mir eine Bedeutung gegeben, sie beide hatten mir eine Bedeutung gegeben. Weil ich sie zusammengeführt hatte. Ja, irgendwie hatte ich das.
Das war schön. Das war wirklich schön. So bedeutungslos war das Leben einer Figur also gar nicht. Hätte ich einen Mund, würde ich lächeln.

Sonntag, 7. Juni 2015

52/52 Challenge: Die Taubenplage

Die Nr. 46. :D
Uff, hab nur bis 47 vorgeschrieben. o.o Okay und 48 ist so halb fertig.^^
Diese Kurzgeschichte gehört mit zu einem größeren Projekt bzw. wird es, wenn ich es denn so lasse.
Viel Spaß beim Lesen. :)

Wort: Feder
Wörter: 1064

Die Taubenplage

Mehr und mehr Tauben versammelten sich in der Stadt. Sie waren überall. Egal, wo man war, egal, wo man hinsah, überall waren Tauben. Das allein war schon bedenklich, aber fast noch seltsamer war, dass sie weder Dreck noch Federn hinterließen. Sie waren einfach nur da.
Im Fernsehen wurde es als Taubenplage deklariert und verschiedene Experten und Politiker diskutierten, wie man das Problem lösen könnte. Tierschützer protestierten dagegen, da die Tauben schließlich nicht aggressiv waren und es keine übermäßige Verschmutzung oder Sonstiges gab. Beunruhigend war diese hohe Anzahl an Tauben aber alle Male.
Was soll das nur bedeuten?“, fragte Scarlet sich zum wiederholten Mal.
„Du bist dir sicher, dass das was mit uns zu tun hat?“, wollte Kyle wissen.
Wärst du dabei gewesen, als diese Tauben sich um Ray und mich versammelt haben, wärst du auch überzeugt davon! Und ist dir nicht aufgefallen, wie viele Tauben sich um unser Zuhause versammelt haben? Sie sitzen auf dem Dach und vor der Haustür. Bei keinem anderen Haus sind es so viele. Es kann nicht nichts bedeuten. Zufälle gibt es nicht“, meinte sie und starrte weiter auf den Fernseher, wo zum wiederholten Mal der gleiche Bericht über ''die Taubenplage New Yorks'' lief.
Kyle verdrehte die Augen. Alle mussten immer alles gleich so dramatisieren. Deshalb war Adrian sein bester Freund gewesen. Er war nicht so gewesen. Er hatte das Leben gesehen und nicht irgendwelche Zeichen. Und jetzt war er tot... Wenn all diese ''Zeichen'', wie die anderen es inzwischen nannten, wirklich etwas bedeuteten, hätte Adrian auch diese Bedeutung entschlüsseln können. Er war unschlagbar in so etwas gewesen. Kyle hatte ihn immer dafür bewundert, wie er hinter alles blicken konnte. Aber Adrian war eben nicht mehr hier...
Wenn du meinst“, sagte Kyle also bloß und stand auf, um sich was zu Essen aus der Küche zu holen. Er bemerkte die Tauben, die draußen vor dem Fenster auf der Fensterbank saßen, nicht.
Unterdessen lag Ray zusammengekrümmt in seinem Bett. Das ging jetzt schon seit fast zwei Tagen so. Es war über zwei Wochen her, dass er diesen Traum gehabt hatte, in dem er eine Taube gewesen war. Seitdem war dieses Gefühl der Sehnsucht immer stärker und stärker geworden. Vor einer Woche hatte er es nicht mehr ausgehalten und den anderen davon erzählt. Inzwischen war es, als würde er innerlich zerreißen und verbrennen und das gleichzeitig. Es schmerzte und zog unvorstellbar heftig.
Lex lag seinem festen Freund gegenüber, ganz still. Er versuchte, Ruhe auszustrahlen. Gerne würde er Ray berühren, ihn in den Arm nehmen oder sonst irgendetwas tun. Aber Berührungen machten es nur schlimmer, hatte er gesagt und auch sonst gab es nichts, was er tun konnte. Er konnte nur da sein. Aber er wollte so gerne etwas tun!
Plötzlich durchbrach ein klickendes Geräusch die Stille. Verwirrt sah Lex sich um. Es war dunkel im Zimmer, da es spät geworden war. Doch auch so wüsste er nicht, was das für ein Geräusch sein sollte.
Was ist das?“, brachte Ray hervor und öffnete leicht die Augen.
Keine Ahnung“, sagte Lex und sah sich weiter um. Es kam... vom Fenster? In dem Moment wurde es plötzlicher viel, viel lauter und schneller. Ray schrie auf und warf sich von der Seite auf den Rücken. Ein pulsierendes Gefühl durchzuckte seinen Körper. Es war wie Feuer, brennende Sehnsucht.
Lex schnappte nach Luft, als er mit einem Mal auch etwas fühlte. Eine Art Kribbeln, das ein ganz warmes, beruhigendes Gefühl auslöste, aber es zog auch. Als wolle es ihn irgendwo hinziehen. Nur wohin? Oder besser: zu wem?
Ich fühle es auch“, stieß Lex hervor. „Ich fühle es auch!“
Mach, dass dieses furchtbare Geräusch aufhört!“, schrie Ray, der schwer atmend auf dem Rücken lag und konzentriert an die Decke starrte. Wo er es sagte, fiel es auch Lex wieder auf. Was als klickendes Geräusch begonnen hatte, war jetzt fast zu einer Art Getrommel angeschwollen. Wie als würde Regen gegen die Fensterscheibe schlagen.
Lex stand auf und trat ans Fenster. Er sah Tauben auf der Fensterband draußen sitzen. Sie schlugen mit ihren Schnäbeln gegen die Scheibe.
Mach, dass es aufhört!“, schrie Ray erneut und unterdrückte einen Schrei, während er erneut den Rücken durchdrückte.
Unschlüssig starrte Lex die Tauben an, die immer vehementer gegen die Scheibe hämmerten. Was sollte das? Was war hier nur los? Waren das etwa alles Dämonen? Aber Dämonen lebten tagsüber doch im Schatten und überhaupt würden sie nie solch reines, weißes Gefieder tragen. Weiß war ihnen schon allein deshalb zuwider, weil sie das Licht tunlichst mieden.
Was waren sie dann? Doch nicht etwa Gesandte eines Engels? Des einen Engels, von dem Haileys Vision gehandelt hatte und von dem auch Ray gesprochen hatte? Zog sie letzten Endes zu diesem Engel hin? War das diese Sehnsucht, die sie fühlten?
Es ergab alles Sinn. Auf diese Weise ergab es alles Sinn...
Mit einem Ruck riss Lex das Fenster auf. Die Tauben flatterten gurrend ins Zimmer. Ray schrie und hörte gar nicht mehr auf. Er warf sich auf dem Bett hin und her. Kyle und Scarlet kamen ins Zimmer gestürmt und riefen Lex etwas zu, aber über Rays Geschrei hinweg, war nichts zu verstehen.
Dann flogen die Tauben plötzlich in einer Reihe wieder aus dem Zimmer heraus. Lex stürzte ans Fenster und sah ihnen nach, doch hatte sie bald aus dem Blick verloren. Er hatte etwas gefühlt, eine Art Verbindung zu ihnen. Als wären sie wie er. Er war sich sicher, dass auch sie diese Sehnsucht fühlten. Die Sehnsucht, die Ray zu vernichten drohte.
Ray!“, stieß Lex hervor. Für einen Moment hatte er ihn fast vergessen, derartig befangen war er von den Tauben und dem Gefühl der Sehnsucht und der Verbindung gewesen. Jetzt stürzte er an das Bett seines festen Freundes, von dem die anderen Zwei dachten, er wäre nur sein bester Freund.
Ray hatte aufgehört zu schreien, atmete aber noch immer schwer. Doch er schien keine Schmerzen mehr zu haben, denn er setzte sich tatsächlich auf. Sein Herzschlag war so laut, dass er ihn hämmern hörte. Aber es schien kein Blut mehr zu sein, dass er durch seine Adern pumpte, sondern eine so heftige Sehnsucht und Anziehungskraft, dass er sich wie in Trance vorkam.
Blinzelnd schaute er auf seine Hände, in denen er eine einzelne, weiße Feder hielt. „Damit werden wir ihn finden“, flüsterte er. Er wusste es einfach. Er fühlte es. „Sie wird uns zu ihm bringen, zu unserem Engel.“

Freitag, 5. Juni 2015

52/52 Challenge: Königsspiel

Und Nr. 45. :)
Mit der ich sehr unzufrieden bin...

Wort: Katze
Wörter: 974

Königsspiel

Ich hob den Blick und sah mein Spiegelbild. Der Junge sah noch sehr jung aus, jünger als er tatsächlich war und doch wirkte er gleichzeitig zu alt. Wann war so viel Zeit vergangen? Wann war ich erwachsen geworden und warum hatte ich es nicht mitbekommen? Und wann waren meine Haare so lang geworden und meine Augen so dunkel?
Das einzig Vertraute war die dunkle Farbe meiner Haare und die schwarzen Katzenohren. Vergeblich suchte ich nach dem Licht, das sonst meine blauen Augen hatte strahlen lassen.
Seufzend wandte ich den Blick ab. Ich musste packen. Ich konnte hier in diesem Notfallversteck nicht lange bleiben. Ich war schon viel zu lange hier, fast zwei Wochen. Sie würden mich noch finden und zwingen, nach ihren Vorstellungen zu leben und wenn ich es nicht tun würden, würden sie mich umbringen. Das hatten sie mit meiner Familie getan. Sie waren alle tot. Alle.
Ich atmete tief durch, klaubte mein weniges Hab und Gut zusammen und schulterte den Seesack. Dieses Loch hier würde ich nicht vermissen. Es bestand aus nicht mehr, als einer Matratze, etwas Vorräten, einem Fenster und einem winzigen Badezimmer. Draußen würde es mir besser gehen, auch wenn ich das Alleinsein vermissen würde. Ich würde es vermissen, uneingeschränkt trauern zu können. Ich würde vor allem meine Familie vermissen. Hier drin hatte ich mir einreden können, dass sie doch noch dort draußen waren, dass alles nur ein böser Albtraum war. Draußen wartete die Realität auf mich.
Eine Realität, in der ich neben meiner toten Adoptivfamilie und meiner bei meiner Geburt gestorbenen leiblichen Mutter auch noch einen Vater hatte. Einen Vater, der mich einen Scheiß interessierte, weil er der Herrscher eines Gebiets war und die waren allesamt großkotzige Arschlöcher. Nichtsdestotrotz war er alles, was ich noch hatte und solange er nicht von irgendjemandem umgebracht worden war oder noch wurde, war ich sein Nachfahre und somit rechtmäßiger Erbe des Gebiets.
Ich wünschte, ich hätte nie angefangen, Nachforschungen über das Leben meiner Mutter anzustellen. Dann könnte ich jetzt einfach irgendwohin gehen. Irgendwohin weit weit weg und neu anfangen. Alles hinter mir lassen. Ein neues Leben beginnen.
Doch ich wollte Gerechtigkeit für meine Familie. Ich wollte nicht, dass sie nicht auf mich hätten stolz sein können. Und da ich alleine viel zu schwach war, um Rache zu nehmen, brauchte ich jemanden, der mir half und da all meine Freunde, alle, die ich liebte, ermordet worden waren, war mein ominöser, leiblicher Vater meine einzige Möglichkeit.
Also machte ich mich auf den Weg zu ihm. Mit dem klapprigen, alten Dampfzug reiste ich durch die Gebiete. Je weiter ich mich von meiner Heimat, dem Ort, wo ich aufgewachsen war, entfernte desto unwirklicher erschien mir das Ganze. Ich konnte einfach nicht realisieren, was passiert war. Ich wollte es nicht. Letztendlich blieb mir aber nichts anderes übrig. Das war jetzt mein Leben. Und es würde sich noch weit mehr ändern.
Nach fast drei Tagen Zugfahrt, der Zug fuhr die dämlichsten Umwege und hielt in jedem noch so kleinem Örtchen, kam ich endlich in dem Gebiet an, das wohl eines Tages mir gehören würde. Die Gebäude waren einfache Steinbauten, nichts besonderes. Es war kein besonderes Gebiet, nur eines von vielen. Der Name Königsland war bloß ein Name. Einen König hatte es in dieser Welt noch nie gegeben und das würde es auch nie. Katzenmenschen waren nicht dazu gemacht, beherrscht zu werden. Deshalb brachen auch immer wieder Kämpfe in den einzelnen Gebieten aus. Wahrscheinlich waren auch deshalb die Herrscher allesamt grenzenlose Arschlöcher, ihnen blieb kaum etwas anderes übrig.
Was würde ich tun, wenn ich eines Tages Herrscher über dieses Gebiet sein würde? Würde ich alles anders machen? Wäre das überhaupt möglich?
Daran konnte ich jetzt noch keinen einzigen Gedanken verschwenden. In meinem Kopf war nur Platz für die Rache, die ich für meine Familie und Freunde wollte. Und ich hatte schon etwas Angst davor, meinen leiblichen Vater kennenzulernen. Wie er wohl reagieren würde? Schließlich wusste er nichts von mir. Es sei denn er hatte mich ausfindig machen oder beschatten lassen oder ähnliches. Bei dem Gedanken wurde mir ganz anders. Das würde einem Herrscher ähnlich sehen.
Ich brauchte nicht lange suchen, bis ich das Anwesen des Herrschers über Königsland gefunden hatte. Es war das mit Abstand schickste Haus, eine Villa auf einem Hügel im Zentrum. Im Vergleich zu den anderen Häusern dieses Gebiets, kam es einem Schloss gleich. Ein weiterer Beweis dafür, was für ein Großkotz mein Vater wahrscheinlich war.
Aber als sein Sohn hatte ich Rechte und von denen würde ich Gebrauch machen. Deshalb war ich hier.
Mein Klopfen klang entschlossener, als ich mich fühlte. Als es danach eine Ewigkeit dauerte, bis mir geöffnet wurde, überlegte ich, abzuhauen. Eigentlich brauchte er nicht von mir zu erfahren. Eigentlich brauchte ich auch niemanden zu rächen. Sie wären schon froh, wenn ich ein glückliches Leben lebte. Was war ich doch für ein Feigling...
Ich hatte mich wirklich schon halb weggedreht, da wurde die Tür geöffnet.
Hier beim Herrscher über Königsland. Was kann ich für sie tun?“, sagte eine gelangweilte Jungenstimme. Ich drehte mich um. Er war nicht älter als 25, hatte dunkelbraunes Haar und müde, graue Augen. Wer war das denn? Doch nicht etwa irgendein Halbbruder von mir? Oh bitte nicht. Meine Rechte als Sohn hatte ich zwar trotzdem, aber ich hatte wirklich keine Lust, mich mit noch einem Großkotz rumzuschlagen. Wobei es wirklich sehr selten war, dass die Kinder, insbesondere eines Herrschers, bei dem Vater wohnten. Es war einfach nicht üblich.
Ich würde gerne zum Herrscher von Königsland. Ich bin sein Sohn“, sagte ich, nachdem ich die Schultern gestrafft hatte.
Der Junge mir gegenüber, der übrigens anscheinend bloß einen Bademantel trug, sah mich minutenlang einfach nur an. Dann brach er in schallendes Gelächter aus. Empört wollte ich schon etwas sagen, aber er kam mir zuvor: „Also mein Sohn bist du ganz bestimmt nicht, Jungchen. Ich bin der Herrscher über Königsland.“

Donnerstag, 4. Juni 2015

52/52 Challenge: Schattenkrieg - Die Organisation Taube

Weiter geht's mit der Nummer 44.
1. Der General
2. Löwe
3. Die graue Maus
4. Phönix

Wort: Symbol
Wörter: 1177

Schattenkrieg - Die Organisation Taube

Sie war während des ersten Krieges gegen die Schatten und die Krankheit entstanden. Sie bestand aus Leuten, die die Krankheit irgendwie überlebt hatten. Leuten, die zu viel wussten. Leuten, die mehr wissen wollten. Leuten, die irgendetwas tun wollten. Die irgendwas gegen das Militär tun wollten.
Sie hielten sich versteckt in einem alten, halb zugeschütteten Bunker, von dem das Militär annahm, er sei zerstört worden. Sie harrten aus und schmiedeten Pläne.
Einer von ihnen war One. Er war der Sohn des Anführers der Organisation und hatte es hoch zum stellvertretendem Anführer geschafft. Er besaß eine Menge Willenskraft und Entschlossenheit und das war es auch, was ihn auf diesen Posten gebracht hatte. Da alles demokratisch durch Abstimmen entschieden wurde, hatte sein Vater da auch nicht mehr Einfluss, als jeder andere. Er konnte wirklich stolz sein, auf das, was er erreicht hatte und das war er auch. Er war unheimlich stolz.
Doch er wollte noch mehr. Er wollte seinen Vater stolz machen. Seinen Vater, den er so sehr bewunderte. Eines Tages wollte er so sein, wie er.
Mit argwöhnischen Augen sah sein Vater, Six, dabei zu, wie One mit den anderen, die zur Organisation Taube gehörten, sprach. Sie diskutierten eins der stets wiederkehrenden Themen – die Lebensmittel- und Wasserknappheit, die Krankheit und alles, was mit ihr zusammenhing und zu guter Letzt natürlich ihre Pläne bezüglich des Vorgehens gegen das Militär.
Heute ging es ums Militär. In letzter Zeit war das Thema etwas mehr in den Hintergrund gerückt, da besonders die Lebensmittel- und Wasserknappheit sehr präsent gewesen war. Doch heute hatte eine kleine Gruppe neue Vorräte beschaffen können und sie hatten dabei mehrere Rekruten des Militärs geschehen. Laut den Beobachtern waren es allesamt Kinder gewesen, der Älteste höchstens 18 Jahre.
One war auch fast noch ein Kind, gerade erst 20 geworden und doch sprach er sich klar dafür aus, dass sie den Rekruten nicht trauen sollten und immer zuerst mit Waffengewalt drohen sollten. „Angriff ist die beste Verteidigung“, sagte er.
Six wünschte, sein Sohn wäre nicht so wie er selbst und würde nicht so sehr zu ihm aufblicken. Er hatte Potential. Er hatte unglaubliches Potential und er war so wild entschlossen. Doch er wollte werden, wie sein Vater. Das war alles, was er je gewollt hatte. Manchmal fragte Six sich, was er falsch gemacht hatte, dass sein Sohn so sehr werden wollte, wie er selbst. Warum sah er keine anderen, neuen Wege? Warum biss er sich in dem Altbekanntem fest? Er wünschte wirklich, sein Sohn würde sich mehr darauf konzentrieren, sich selbst zu finden, anstatt ihm nachzueifern.
Ich mache mir auch Sorgen um ihn“, meinte seine Schwester, Four, die neben ihren Vater getreten
war.
Ich fürchte, dazu haben wir auch allen Grund. Er hat einen sehr großen Einfluss und viele glauben, dass seine Art zu denken, uns letztendlich zum Erfolg führen wird.“ Six kehrte der Diskussionsgruppe den Rücken zu und blickte seinem ältesten Kind in die Augen. Four wurde bald 30 Jahre alt. Vor zwanzig Jahren hatten sie den Krieg als 9 Jährige hautnah mit erlebt. Ihr Gesichtsausdruck war hart und unnachgiebig. Sie sah immer aus, als würde sie einen Panzer tragen, um sich zu schützen. Doch in ihren Augen flackerte Lebenswille und Lebenslust. Sie war ein so fröhliches, aufgewecktes Kind gewesen, hatte immer gelacht und stets das Positive in alles und jedem gesehen. Das tat sie noch. Trotz der Schutzmauer, die sie erbaut hatte, um weder Gefühle nach innen noch nach außen dringen zu lassen, konnte sie immer noch das Gute sehen. Das wusste er. Und es war eine sehr wertvolle und wichtige Eigenschaft.
One mochte stellvertretender Anführer sein, aber wenn es an der Zeit war und das würde schon bald sein, würde Four seine Nachfolge antreten. Six hatte seinem ältesten Kind bereits von dem Plan erzählt, den er sich überlegt hatte. Es würde nicht leicht sein, aber es würde funktionieren.
Dennoch schmerzte der Gedanke jedes Mal ein bisschen. Sie würden Gewalt anwenden, um diese Organisation wieder zu einer gewaltfreien Organisation zu machen. Aber das war nun mal die Ironie des Lebens.
Six blickte auf die tätowierte Taube auf seinem Handrücken. Jeder von ihnen trug so eine. Sie diente als Erkennungssymbol für ihre Organisation. Viele, besonders die Jüngeren, die One so sehr an den Lippen hingen, hatten vergesse, was sie wirklich bedeutete. Nach dem Tod seiner Frau, Five, hatte auch Six vergessen, was es bedeutete.
Doch jetzt, wo sein Leben sich dem Ende neigte, wo er spürte, wie das Gift in seinen Adern – und das war es, Gift und nichts anderes – ihn mehr und mehr von innen heraus zerfraß, erkannte er wieder, dass ein direkter Kampf keinen Sinn hatte. Denn ein direkter Kampf war genau das, was das Militär wollte.
Deshalb hatten sie sich damals ursprünglich in diesen Bunker geflüchtet, nachdem sie von den Experimenten und allem, was dahinter steckte, erfahren hatten. Die Schatten waren gekommen und die Krankheit ausgebrochen und sie hatten festgestellt, dass sie alle Teil eines Experiments waren. Es hatte Six zutiefst erschüttert, dass seine Frau, Five, eine der Wissenschaftlerinnen war und obendrein auch noch ihre eigene Familie als erste Probanden gewählt hatte.
Allerdings hatte sie nicht gewusst, was wirklich hinter allem steckte. Sie hatte falsch gehandelt, das war ihr selbst mehr als nur bewusst gewesen. Aber sie hatte es für ihre Familie getan, besonders ihre Söhne waren perfekt geeignet gewesen. Six war immer noch wütend auf sie deswegen, aber er konnte sie nicht hassen. Sie war schon immer eine sehr leidenschaftliche Wissenschaftlerin gewesen, die keine Risiken scheute. Am Ende hatte sie das ihr Leben gekostet, da auch sie als Probandin fungiert hatte und bei der Geburt ihrer zweiten Tochter, Seven, gestorben war.
Er wird nie vergessen, was sie an an ihrem Sterbebett zu ihm sagte und wie sie wieder und wieder von der Taube und vom Frieden sprach. „Ich wollte nie einen Kampf, einen Krieg. Was passiert ist, der Unfall, das ist schrecklich. Aber damit hatte ich direkt nichts zu tun. Ich wollte immer nur Frieden für euch, meine Familie, für uns. Ich wollte, dass wir ein langes, friedliches Leben führen können. Es klang so vielversprechend, als sie sagten, wir können ewig leben und niemand müsse je mehr sterben. Es klang so vielversprechend... So friedlich. So wunderbar friedlich. Ich habe immer geträumt, dass eine Taube zu allen kriegtreibenden Menschen dieser Welt fliegt und ihnen den Frieden bringt. Ich wollte diese Taube sein. Ich wollte, dass ihr diese Taube seid. Ich wollte, bloß Frieden.
Ihre Absichten waren rein gewesen, immer. Ihre Logik mochte etwas seltsam und fragwürdig gewesen sein, aber sie hatte nie jemandem weh tun wollen. Nicht sie. Niemals. Sie war einfach zu naiv für diese Welt gewesen.
Six wünschte, dass diese Naivität eines Tages die Welt würde retten können. Vielleicht würde Seven, die Jüngste der Familie, eines Tages die Welt retten...
Sie liebte Tauben, hatte sie einmal gesagt. Natürlich liebte sie Tauben. Six hatte ihr wieder und wieder von dem Traum ihrer Mutter erzählt. Wenn jemand an das Symbol der Taube und dem ihr innewohnenden Frieden glaubte, dann war sie es.
Eines Tages würde sie zur Taube werden und Frieden schaffen.