Posts mit dem Label Schattenkrieg werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Schattenkrieg werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 4. Juni 2015

52/52 Challenge: Schattenkrieg - Die Organisation Taube

Weiter geht's mit der Nummer 44.
1. Der General
2. Löwe
3. Die graue Maus
4. Phönix

Wort: Symbol
Wörter: 1177

Schattenkrieg - Die Organisation Taube

Sie war während des ersten Krieges gegen die Schatten und die Krankheit entstanden. Sie bestand aus Leuten, die die Krankheit irgendwie überlebt hatten. Leuten, die zu viel wussten. Leuten, die mehr wissen wollten. Leuten, die irgendetwas tun wollten. Die irgendwas gegen das Militär tun wollten.
Sie hielten sich versteckt in einem alten, halb zugeschütteten Bunker, von dem das Militär annahm, er sei zerstört worden. Sie harrten aus und schmiedeten Pläne.
Einer von ihnen war One. Er war der Sohn des Anführers der Organisation und hatte es hoch zum stellvertretendem Anführer geschafft. Er besaß eine Menge Willenskraft und Entschlossenheit und das war es auch, was ihn auf diesen Posten gebracht hatte. Da alles demokratisch durch Abstimmen entschieden wurde, hatte sein Vater da auch nicht mehr Einfluss, als jeder andere. Er konnte wirklich stolz sein, auf das, was er erreicht hatte und das war er auch. Er war unheimlich stolz.
Doch er wollte noch mehr. Er wollte seinen Vater stolz machen. Seinen Vater, den er so sehr bewunderte. Eines Tages wollte er so sein, wie er.
Mit argwöhnischen Augen sah sein Vater, Six, dabei zu, wie One mit den anderen, die zur Organisation Taube gehörten, sprach. Sie diskutierten eins der stets wiederkehrenden Themen – die Lebensmittel- und Wasserknappheit, die Krankheit und alles, was mit ihr zusammenhing und zu guter Letzt natürlich ihre Pläne bezüglich des Vorgehens gegen das Militär.
Heute ging es ums Militär. In letzter Zeit war das Thema etwas mehr in den Hintergrund gerückt, da besonders die Lebensmittel- und Wasserknappheit sehr präsent gewesen war. Doch heute hatte eine kleine Gruppe neue Vorräte beschaffen können und sie hatten dabei mehrere Rekruten des Militärs geschehen. Laut den Beobachtern waren es allesamt Kinder gewesen, der Älteste höchstens 18 Jahre.
One war auch fast noch ein Kind, gerade erst 20 geworden und doch sprach er sich klar dafür aus, dass sie den Rekruten nicht trauen sollten und immer zuerst mit Waffengewalt drohen sollten. „Angriff ist die beste Verteidigung“, sagte er.
Six wünschte, sein Sohn wäre nicht so wie er selbst und würde nicht so sehr zu ihm aufblicken. Er hatte Potential. Er hatte unglaubliches Potential und er war so wild entschlossen. Doch er wollte werden, wie sein Vater. Das war alles, was er je gewollt hatte. Manchmal fragte Six sich, was er falsch gemacht hatte, dass sein Sohn so sehr werden wollte, wie er selbst. Warum sah er keine anderen, neuen Wege? Warum biss er sich in dem Altbekanntem fest? Er wünschte wirklich, sein Sohn würde sich mehr darauf konzentrieren, sich selbst zu finden, anstatt ihm nachzueifern.
Ich mache mir auch Sorgen um ihn“, meinte seine Schwester, Four, die neben ihren Vater getreten
war.
Ich fürchte, dazu haben wir auch allen Grund. Er hat einen sehr großen Einfluss und viele glauben, dass seine Art zu denken, uns letztendlich zum Erfolg führen wird.“ Six kehrte der Diskussionsgruppe den Rücken zu und blickte seinem ältesten Kind in die Augen. Four wurde bald 30 Jahre alt. Vor zwanzig Jahren hatten sie den Krieg als 9 Jährige hautnah mit erlebt. Ihr Gesichtsausdruck war hart und unnachgiebig. Sie sah immer aus, als würde sie einen Panzer tragen, um sich zu schützen. Doch in ihren Augen flackerte Lebenswille und Lebenslust. Sie war ein so fröhliches, aufgewecktes Kind gewesen, hatte immer gelacht und stets das Positive in alles und jedem gesehen. Das tat sie noch. Trotz der Schutzmauer, die sie erbaut hatte, um weder Gefühle nach innen noch nach außen dringen zu lassen, konnte sie immer noch das Gute sehen. Das wusste er. Und es war eine sehr wertvolle und wichtige Eigenschaft.
One mochte stellvertretender Anführer sein, aber wenn es an der Zeit war und das würde schon bald sein, würde Four seine Nachfolge antreten. Six hatte seinem ältesten Kind bereits von dem Plan erzählt, den er sich überlegt hatte. Es würde nicht leicht sein, aber es würde funktionieren.
Dennoch schmerzte der Gedanke jedes Mal ein bisschen. Sie würden Gewalt anwenden, um diese Organisation wieder zu einer gewaltfreien Organisation zu machen. Aber das war nun mal die Ironie des Lebens.
Six blickte auf die tätowierte Taube auf seinem Handrücken. Jeder von ihnen trug so eine. Sie diente als Erkennungssymbol für ihre Organisation. Viele, besonders die Jüngeren, die One so sehr an den Lippen hingen, hatten vergesse, was sie wirklich bedeutete. Nach dem Tod seiner Frau, Five, hatte auch Six vergessen, was es bedeutete.
Doch jetzt, wo sein Leben sich dem Ende neigte, wo er spürte, wie das Gift in seinen Adern – und das war es, Gift und nichts anderes – ihn mehr und mehr von innen heraus zerfraß, erkannte er wieder, dass ein direkter Kampf keinen Sinn hatte. Denn ein direkter Kampf war genau das, was das Militär wollte.
Deshalb hatten sie sich damals ursprünglich in diesen Bunker geflüchtet, nachdem sie von den Experimenten und allem, was dahinter steckte, erfahren hatten. Die Schatten waren gekommen und die Krankheit ausgebrochen und sie hatten festgestellt, dass sie alle Teil eines Experiments waren. Es hatte Six zutiefst erschüttert, dass seine Frau, Five, eine der Wissenschaftlerinnen war und obendrein auch noch ihre eigene Familie als erste Probanden gewählt hatte.
Allerdings hatte sie nicht gewusst, was wirklich hinter allem steckte. Sie hatte falsch gehandelt, das war ihr selbst mehr als nur bewusst gewesen. Aber sie hatte es für ihre Familie getan, besonders ihre Söhne waren perfekt geeignet gewesen. Six war immer noch wütend auf sie deswegen, aber er konnte sie nicht hassen. Sie war schon immer eine sehr leidenschaftliche Wissenschaftlerin gewesen, die keine Risiken scheute. Am Ende hatte sie das ihr Leben gekostet, da auch sie als Probandin fungiert hatte und bei der Geburt ihrer zweiten Tochter, Seven, gestorben war.
Er wird nie vergessen, was sie an an ihrem Sterbebett zu ihm sagte und wie sie wieder und wieder von der Taube und vom Frieden sprach. „Ich wollte nie einen Kampf, einen Krieg. Was passiert ist, der Unfall, das ist schrecklich. Aber damit hatte ich direkt nichts zu tun. Ich wollte immer nur Frieden für euch, meine Familie, für uns. Ich wollte, dass wir ein langes, friedliches Leben führen können. Es klang so vielversprechend, als sie sagten, wir können ewig leben und niemand müsse je mehr sterben. Es klang so vielversprechend... So friedlich. So wunderbar friedlich. Ich habe immer geträumt, dass eine Taube zu allen kriegtreibenden Menschen dieser Welt fliegt und ihnen den Frieden bringt. Ich wollte diese Taube sein. Ich wollte, dass ihr diese Taube seid. Ich wollte, bloß Frieden.
Ihre Absichten waren rein gewesen, immer. Ihre Logik mochte etwas seltsam und fragwürdig gewesen sein, aber sie hatte nie jemandem weh tun wollen. Nicht sie. Niemals. Sie war einfach zu naiv für diese Welt gewesen.
Six wünschte, dass diese Naivität eines Tages die Welt würde retten können. Vielleicht würde Seven, die Jüngste der Familie, eines Tages die Welt retten...
Sie liebte Tauben, hatte sie einmal gesagt. Natürlich liebte sie Tauben. Six hatte ihr wieder und wieder von dem Traum ihrer Mutter erzählt. Wenn jemand an das Symbol der Taube und dem ihr innewohnenden Frieden glaubte, dann war sie es.
Eines Tages würde sie zur Taube werden und Frieden schaffen.

Mittwoch, 3. Juni 2015

52/52 Challenge: Schattenkrieg - Phönix

Nr. 43. :D
1. Der General
2. Löwe
3. Die graue Maus

Wort: Phönix
Wörter: 1834

Schattenkrieg - Phönix

Er war der Beeindruckenste von ihnen allen. Natürlich waren sie alle beeindruckend. Deshalb waren sie ausgewählt worden. Deshalb gehörten sie der speziellen Sondereinheit an. Deshalb wurden sie ausgebildet, um gegen Schatten und die Krankheit zu kämpfen. Sie waren die Einzigen, die es konnten. Die Einzigen, die dazu befähigt waren. Das wurde ihnen während ihres Trainings jeden Tag mehrmals gesagt.
Zu Anfang verstand keiner, was dieser kleine, schmächtige Junge bei ihnen sollte. Er schien nichts besonderes zu können. Während alle anderen ihre Fähigkeiten aktivierten, weiter entwickelten und trainierten, machte er immer nur Ausdauertraining. Natürlich wurde jeder unterschiedlich ausgebildet, weil jede Fähigkeit unterschiedlich war. Aber niemand trainierte nur, in dem er die ganze Zeit joggte. Und der kleine, schmächtige Junge tat nichts anderes!
Irgendjemand hätte ihn einfach fragen können, aber er war ziemlich verschlossen und immer für sich. Die Meisten wussten nicht einmal seinen Codenamen und die, die ihn wussten, waren nur noch verwirrter dadurch oder machten sich über ihn lustig.
Phönix? Du wirkst also wiederauferstehen, wenn man dich tötet oder dich super schnell heilen können?“ Sie lachten. Sie machten sich über ihn lustig, konnten sich nicht vorstellen, dass er zu so etwas fähig sein sollte. Es passte nicht zu ihm. Allen anderen sah man ihre Fähigkeiten nämlich auf die ein oder andere Weise an. Sie war bereits ein Teil von ihnen. Der Junge aber war absolut nichtssagend, klein und schmächtig eben und es sprach ja auch keiner mit ihm und er auch mit niemandem, weil weder andere noch er das wollte.
Oder wollte er doch? Manchmal sah es so aus, als würde er mit jemandem sprechen wollen, sich dann aber dagegen entscheiden. Maus beobachtete ihn manchmal. Sie fand ihn interessant und auf gewisse Weise sogar anziehend, nicht auf romantische oder sexuelle Weise, sondern als Person. Er hatte irgendetwas. Etwas, dass die anderen übersahen.
Schließlich kam der Tag, an dem sie in einzelne Teams eingeteilt wurden und alle gemeinsam zu dem Ort geschickt wurden, wo die Schatten zurückgekehrt waren und die Krankheit wieder ausgebrochen war. Es war ein Dorf irgendwo im nirgendwo auf dem Land.
Sie steckten Phönix in das Team, die ihn am meisten verachteten und kein bisschen glaubten, dass er irgendetwas konnte. Eigentlich waren sie natürlich alle ein bisschen eifersüchtig, dass er so eine Sonderbehandlung hatte und keiner seine Fähigkeiten bis jetzt gesehen hatte. Vielleicht hatten sie sogar ein bisschen Angst. Aber solche großkotzigen Leute wie sie würden so etwas niemals auch nur ansatzweise zugeben. Maus wusste es nur, weil sie so gut im Beobachten und Lesen von Menschen war.
Auch sie war in seinem Team und sehr froh darüber. Sie könnten sich näher kennenlernen. Also, falls er sie wahrnahm, könnten sie sich näher kennenlernen. Direkt nachdem sie rekrutiert worden war, hatte sie sich so wunderbar beachtet gefühlt. Endlich war sie jemand besonderes gewesen, jemand wichtiges, jemand bedeutungsvolles. Doch dann hatte sie erkennen müssen, dass es noch fast dreißig weitere besondere Jugendliche gab. Sie war nur eine von Vielen, ging in dem Meer unter. So wie immer.
Aber so wie immer war sie nicht gewillt aufzugeben. Nicht, weil sie stark war, sondern weil sie sich selbst nie würde genug hassen können. Ihr war das Nicht-Beachtet-Werden im Grunde gleichgültig, so wie sie allen gleichgültig war. Es hatte keine Bedeutung, weil nichts, das sie war, eine Bedeutung hatte.
Phönix hatte eine Bedeutung, eine sehr große Bedeutung. Sie spürte das ganz deutlich.
Und sie sollte Recht behalten.
Von sich selbst überzeugt, wie die Macho-Kerle nun mal waren, stürmten sie gleich in das erste Haus, das sie untersuchen, überprüfen und reinigen sollten.
Maus ist gleich aufgefallen, dass die Stadt seltsam verlassen ist und sie weiß zwar, so wie alle anderen, was die Schatten und die Krankheit anrichten, dass sie die Menschen in wandelnde Tote verwandeln und sich in jedem noch so kleinen Schatten verstecken können, aber es ist trotzdem beängstigend und man kann gar nicht vorsichtig genug sein. Außerdem ist Training nie ein Vergleich für die Realität.
Sie wusste also, dass etwas passieren würde, als die Idioten das Haus stürmten. Aber was hätte sie tun können? Sie aufhalten? Mit ihnen reden? Sie war sich nicht einmal sicher, ob sie bemerkt hatten, dass sie in ihrem Team war. Und Phönix konnte auch nichts ausrichten. Auf ihn würden sie auch nicht hören.
Also blieben sie draußen stehen, während die anderen drei in das Haus hineinliefen und ziemlichen Krach machten. Sie konnte nur mit dem Kopf schütteln. Dachten die etwa, das wäre ein Spiel? Sie seufzte und spürte mit einem Mal den Blick von Phönix auf sich. Es kam so selten vor, dass sie jemand direkt ansah, dass sie etwas zusammenzuckte.
Er lächelte leicht, ein etwas schüchternes Lächeln. Ja, er war schüchtern, das hatte sie auch schon beobachtet. Aber da steckte noch mehr dahinter.
Gehen wir rein?“, fragte er. „Irgendwer muss ja auch die Idioten aufpassen.“
Jetzt musste sie grinsen. Nicht zuletzt auch deswegen, weil er sie bemerkt hatte. Er hatte sie wirklich bemerkt. „Ja, du hast wohl recht.“
Kaum betraten sie das Haus, passierte es. Jemand schrie, laut und durchdringend und er hörte nicht auf. Er schrie immer weiter. Andere Stimmen waren zu hören, weitere abgehackte Schreie, schnelle Schritte auf der Treppe.
Was ist los?“, fragte Phönix, als einer der anderen drei Jungen stehen bleiben musste, weil sie ihm den Weg versperrten. Nackte Panik stand ihm ins Gesicht geschrieben.
Wir müssen hier raus!“, stieß er hervor. „Wir müssen ganz schnell hier raus! Da oben... Da oben, da ist... Da ist... der Tod.“ Sein Gesicht war aschkahl und er zitterte unkontrolliert am ganzen Körper. Er sah aus, als hätte er einen Geist gesehen, vermutlich hatte er das auch. Denn im Grunde war es das, was mit den Opfern der Krankheit passierte, sie wurden zu Geistern. Geister, die anderen Menschen das Leben aussaugen konnten und sie somit selbst zu Geistern machten.
Genau deshalb sind wir doch hier. Wir sollen den Tod besiegen, das Haus, dieses ganze Dorf von ihm reinigen, diese Menschen erlösen“, meinte Phönix.
Der andere Junge starrte ihn bloß an. „Ich gehe da nicht wieder rauf!“, sagte er dann entschieden und schob sich an den Zwei vorbei und rannte aus dem Haus.
Schisser“, murmelte Maus ihm hinterher, was ihr ein Grinsen von Phönix einbrachte.
Na, warten wir mal ab, wie es dir gleich ergeht. Ich nenne dich dann auch Schisser, wenn du wegrennst“, meinte er.
Wenn das so ist, mache ich das Gleiche, wenn du wegrennst“, erwiderte sie grinsend.
Ja, eigentlich sind wir doch alle Schisser“, sagte er und es sollte wohl lässig klingen, hörte sich aber viel zu ernst an, als er seinen Blick auf die Treppe richtete.
Du nicht, dachte sie bei sich. Du bist kein Schisser. Er hatte Angst, ja. Seine Hand zitterte, als er mit ihr das Geländer der Treppe umschloss und die Stufen hinaufzusteigen begann. Doch er ließ sich nicht von seiner Angst kontrollieren, im Gegenteil. Er nutzte sie als Antrieb. Seine Angst wurde mit jedem Schritt größer, aber so auch seine Entschlossenheit. Sie wünschte, sie könnte ihn mehr bewundern, als ihre eingeschränkten Gefühle es zuließen.
Oben angekommen lauschten sie einen Moment. Der Schrei dauerte nach wie vor an, ein durchdringender, langgezogener Ton. Wenn einer der zwei Jungs, die noch hier oben waren, schrie, wo war dann der andere?
Sie folgten dem Schrei zu seinem Ursprung. Es war das Schlafzimmer. Die Tür stand weit offen und gab den Blick auf einen großen Schrank frei. Die zwei Jungen standen davor. Der eine drückte den anderen gegen den Schrank. Der, der gegen den Schrank gedrückt wurde, war derjenige, der aus Leibeskräften schrie. Sein Gesicht war schmerzverzehrt, aber wirklich erschreckend waren seine Augen. Sie waren leer, absolut leer, ohne Pupille, weiß.
Oh mein Gott“, flüsterte Maus betroffen. Das Leben wurde aus ihm herausgesaugt. Es war schon aus ihm herausgesaugt worden. Es war zu spät. Zu spät. Sie hatten ihn verloren. Er war... tot. Es schockte sie mehr, als sie gedacht hätte, dass es das könnte.
Phönix neben ihr atmete tief ein und aus, immer wieder, als müsse er sich beruhigen. Seine Hände zitterten nach wie vor, aber es wurde langsam weniger.
Lass ihn los“, sagte er dann, etwas zu leise. „Lass ihn los!“ Dieses Mal war seine Stimme lauter, druchdringender. Der Junge, der den anderen gegen den Schrank drückte, drehte sich um. Dabei fiel der Körper des Ausgesaugten leblos zu Boden.
W-Was hast du vor?“, flüsterte Maus. Sie hatten Waffen bekommen. Sie hielt eine der Pistolen in der Hand. Er hatte auch eine, aber er schien nicht vorzuhaben, sie zu benutzen. Stattdessen streckte er seine Hand dem Jungen entgegen.
Der Junge, der von einem Schatten besessen war. Die, die von der Krankheit befallen wurden, die ausgesaugt wurden, wurden zu Geistern, die immer mehr Geister erschufen. Jene, die besessen wurden, wurden entweder auch Geister oder verwandelten sich ebenfalls in Schatten.
Phönix sah, dass der Junge besessen war. Seine Augen waren sehr dunkel und seine Haut durchzogen von dunklen Linien. Das waren die Anzeichen dafür, das jemand besessen war. Dennoch bewegte er sich und seine Hand Millimeter für Millimeter dem Jungen entgegen und schloss schließlich die Augen.
Er hörte Maus irgendetwas rufen, da berührte er bereits die Stirn des Besessenen. Augenblicklich ging eine Welle der Energie durch ihn. Sie hatten ihm gesagt, wie es sein würde, aber er hatte es bisher noch nie gespürt. Jetzt rauschte es durch seinen Körper, so wie sie gesagt hatten, bloß tausend Mal intensiver. Es war so heftig, dass er aufschrie. Ihm wurde heiß. Es brannte, auch das hatten sie ihm gesagt. Er selbst würde brennen. Er würde brennen für jene, die eigentlich schon verloren waren. Er würde brennen und sie zurückholen.
Als es genug war, das konnte er spüren, löste er die Verbindung zu dem Besessenen, in dem er seine Hand zurückzog. Dumpf ging er zu Boden. Aber er war nicht tot, im Gegenteil. Er hatte ihm gerade das Leben gerettet. Es kribbelte in seinen Fingerspitzen. Ein kleines Lächeln legte sich auf seine Lippen. Dann ging er hinüber zu dem Ausgesaugtem. Wenn er sich nicht verschätzt hatte, war es noch nicht zu spät. Noch nicht.
Er legte auch dem anderen Jungen seine Hand auf die Stirn, schloss die Augen und brannte für ihn, um ihn zu heilen. Ihm war schwindelig, als er fertig war und seine Hand zurückzog.
Den Geist. Wir müssen noch den Geist töten“, sagte er zu Maus, die noch immer im Türrahmen stand. Er sah sie nicken, aber sie sah so verschwommen aus. Was war los? War das schon zu viel gewesen? Aber wenn...
Er verlor das Bewusstsein. Er träumte von Feuer und Asche. In seinem Traum hatte er brennende Flügel und seine Hände waren mit schwarzer Asche bedeckt. Das sah er in einem Spiegel, der vor ihm stand. Er sah auch, dass er dabei war, zu verschwinden, ein Geist zu werden. Das war der Preis. Der Preis, den er am Ende zahlen würde. Er würde brennen, würde für sie alle brennen, um am Ende selbst einer von denen zu werden, die es auszulöschen galt. Ironisch. Wirklich ironisch...

Montag, 1. Juni 2015

52/52 Challenge: Schattenkrieg - Die graue Maus

Nr. 41.
1. Der General
2. Löwe

Wort: Maus
Wörter: 626

Schattenkrieg - Die graue Maus

Sie war nie besonders aufgefallen, niemandem.
Vielleicht lag es daran, dass sie am liebsten grau und auch hin und wieder schwarz trug. Auch war ihr Haar dunkelblond, wie das von vielen anderen und ihre Augen waren grau, ihre Haut hell, ihr Gesicht nichtssagend. Sie war niemand, an dem man sich erinnerte. Man bemerkte sie zwar schon, aber man behielt sie nicht im Gedächtnis. Dazu gab es keinen Anhaltspunkt und keinen Grund.
Sie war niemand.
Ihre Hand auf den kleinen Spiegel der Schultoilette legend lächelte sie. Doch wie alles, was sie tat, wirkte es nicht sonderlich ausdrucksstark. Ihr Lächeln schwand und ihre Lippen teilten sich. Sie drückte ihre Hand fester auf das Glas, in der Hoffnung, dass... dass... Keine Ahnung, worauf sie hoffte. Das tat sie immer, ihre Hand auf die Scheibe pressen, wenn sie sich selbst im Spiegel betrachtete.
Vielleicht dachte sie, dass sie dadurch ein Gefühl für diese Person in dem Spiegel bekommen könnte. Es fühlte sich nicht an, als wäre sie das. Überhaupt nichts fühlte sich an, als wäre sie das.
Weil sie niemand war. Niemand...
Ihr traten Tränen in die Augen und sie verzog das Gesicht. Selbst das wirkte stumpf, wie einstudiert. Sie wollte die Hand zur Faust ballen und auf den Spiegel einschlagen, bis er zerbrach. Aber auch das würde nicht wütend genug wirken. Nichts an ihr würde je wie irgendetwas wirken.
Betrübt senkte sie den Kopf und nahm die Hand von dem kalten Glas des Spiegels. Auf dem Gang hatte sie den Blick noch immer gesenkt und prompt lief sie in jemanden hinein. Sie wollte sich schon entschuldigen, doch das brachte sie gar nicht fertig, da der Jemand sie an den Schultern hielt und, als sie den Blick hob, ihr direkt in die Augen blickte.
Es war ein Junge, der etwas jünger als sie war und toll aussah. Er sah nicht bloß toll aus, von ihm schien eine Anziehungskraft auszugehen und er löste ein warmes Gefühl in ihrer Brust aus. Sie würde ihm blind vertrauen, wäre an alledem nicht irgendetwas seltsam.
Tief durchatmend überwand sie ihre Verlegenheit und drückte gegen seine Brust, woraufhin er sie sofort losließ. Jetzt bemerkte sie auch den Mann, der hinter ihm stand und etwa Ende 30 sein musste. Was Beobachtung und Aufmerksamkeit anging, stand ihr niemand in etwas nach. Während sie nicht auffiel, fiel ihr alles auf. Manchmal dachte sie, das wäre ein Fluch.
„Hallo. Ich wurde vom Militär geschickt, um dich für eine spezielle Sondereinheit zu rekrutieren. Sie beobachten dich schon seit einer Weile und es hat sich herausgestellt, dass du die perfekte Kandidatin bist. Mein Codename ist ''General'', deiner ''Maus''. Der Junge hier wird ab sofort einer deiner Partner sein, sein Codename ist ''Löwe''. Hier ist meine Marke. Wir werden jetzt zusammen in ein Restaurant fahren, wo ich und Löwe dir alles weitere erkläre. Auf dem Weg kannst du deine Eltern anrufen.“
Es klang auswendig gelernt. Das war das Erste, was sie aufnahm, erst danach überfluteten sie alle weiteren Informationen, die in diesen heruntergeleierten Worten steckten. Sie blinzelte mehrmals. Passierte das gerade wirklich? Standen gerade tatsächlich dieser Junge und dieser Mann, Löwe und General vor ihr und blickten sie so direkt an, hatten sie so direkt angesprochen und wollten sie zu... Ja, was? Einer Soldatin ausbilden?
Ihr Herz begann zu rasen, doch sie straffte die Schultern und nickte. Ein entschiedenes, entschlossenes Nicken. Auch wenn sie nicht wusste, was da auf sie zu kam. Es war alle Male besser, als das, was sie jetzt ihr Leben nannte. Endlich war sie bemerkt worden.
Sie hatte ja keine Ahnung, dass genau ihre Unauffälligkeit das war, was sie so besonders und vor allem so besonders geeignet machte. Der General presste die Lippen aufeinander, als sie sich auf den Weg machten. Diese zwei Kinder hatten absolut keine Ahnung.

Samstag, 30. Mai 2015

52/52 Challenge: Schattenkrieg - Löwe

Die Nr. 39. :)
Fortsetzung von Schattenkrieg - Der General

Wort: Löwe
Wörter: 680

Schattenkrieg - Löwe

Es war alles, wie immer, ein vollkommen normaler Schultag. Es war Pause und es war laut und eine Reihe Leute, die sich seine Freunde nannten, hatten sich um einen Jungen versammelt. Sie saßen zusammen an ein paar Tischen in der Aula, hingen ab. Tatsächlich waren sie seine Freunde, alle, jeder Einzelne.
Mehr oder weniger zumindest. Er mochte sie, sie waren toll, so verschieden und interessant. Er mochte es, ihre Geschichten zu hören und auch ihrem Schweigen zu lauschen. Und sie mochten ihn, bewunderten ihn und redeten gerne mit ihm.
Manchmal war es anstrengend, aber es war wundervoll, denn sie alle waren wundervoll. Er wusste es einfach. In jedem von ihnen steckte etwas ganz Besonderes.
„Und du denkst wirklich, dass ich es dann hinbekomme?“, fragte ihn ein Mädchen und strich sich nervös ihre schwarzen Haare hinters Ohr.
„Aber klar. Wenn du es willst, kannst du alles schaffen“, lächelte er.
„Dankeschön“, flüsterte sie mit leicht geröteten Wangen.
Nachdem er ihr geholfen und gut zu geredet hatte, half er der nächsten Person und danach der nächsten und der nächsten. Er tat es nicht aus Eigennutz. Okay, ein kleines bisschen vielleicht schon. Denn es machte ihn glücklich. Nichts machte ihn glücklicher, als anderen zu helfen und da sie alle zu ihm kamen, konnte er nicht anders. Wenn er jemanden glücklich machen konnte, warum sollte er es nicht tun? Er wollte es.
Natürlich konnte er nicht alles tun, aber irgendwie helfen konnte man eigentlich immer, also gab er stets sein Bestmögliches.
„Manchmal kommt es mir vor, als hättest du schon deine eigene Sekte“, bemerkte sein bester Freund, als sie sich gerade zum Sportunterricht in der Umkleide umzogen.
Er lachte verlegen und kratzte sich an der Wange. „Ist es wirklich so schlimm?“, fragte er und war ehrlich verunsichert.
Sein bester Freund legte ihm eine Hand auf die Schulter und schaute ihm in die Augen. „Ich frage mich nur, wo du bei allem noch Zeit für dich hast.“ Dann ging er schon mal vor in die Sporthalle.
Er hielt im Schuhe binden inne. „Ich brauche Zeit für mich?“, fragte er sich leise selbst und lachte leicht. Sein Herz war viel zu groß, um es nur für sich alleine zu haben.

Rekrut 1, Löwe
Er hat immer jemanden um sich, meist mehrere Leute. Er sagt zu keiner Bitte ''Nein''. Er hilft immer, wo er kann und ist stets freundlich, zuvorkommend und hilfsbereit. Er hat für jeden ein offenes Ohr und es kümmert ihn, egal wie klein das Problem sein mag. Er hat ein unvorstellbar großes Herz. Deshalb ist er der Löwe, weil er das Herz eines Löwen hat.
Für sein Alter ist er recht klein. Er spielt Handball.
Fazit: Er hat sich genau so entwickelt, wie es geplant war. Mit seinem großen Herzen wird er die Gruppe stabil und zusammen halten. Es wird nicht schwer sein, ihn zu rekrutieren.
Der General seufzte. Der Junge war erst vor einem Monat 16 Jahre alt geworden. Den wollten sie ernsthaft in den Krieg gegen die Schatten und die Krankheit schicken? Damals waren sie zwar auch alle sehr jung gewesen, aber nicht so jung. Wie verzweifelt war das Militär eigentlich?
Na ja, ihm blieb leider keine Wahl. Die Präsidentin, nein, Luchs hatte ihn darum gebeten und das Fortbestehen der Menschheit hing davon ab.
Er ließ sein Smartphone zurück in die Innentasche seiner Jacke gleiten, als die ersten Schüler die Sporthalle verließen. Da bei der Akte auch ein Bild von dem Jungen dabei gewesen war, war es leicht, Löwe zu erkennen.
Ohne weiter nachzudenken, ging er auf den Jungen zu. „Hallo. Ich wurde vom Militär geschickt, um dich für eine spezielle Sondereinheit zu rekrutieren. Sie beobachten dich schon seit einer Weile und es hat sich herausgestellt, dass du der perfekte Kandidat bist. Mein Codename ist ''General'', deiner ''Löwe''. Hier ist meine Marke. Wir werden jetzt zusammen in ein Restaurant fahren, wo ich dir alles weitere erkläre. Auf dem Weg kannst du deine Eltern anrufen.“
Der Junge konnte nur überrascht schauen und nicken. Etwas anderes blieb ihm gar nicht übrig. Keine halbe Stunde später hatte die Sondereinheit ihren ersten Rekruten.

Donnerstag, 28. Mai 2015

52/52 Challenge: Schattenkrieg - Der General

Nr. 37. \o/
Es geht voran. ;D
Dies wird, wie ich das ja schon einmal hatte, die erste Kurzgeschichte von mehreren zusammenhängenden sein. Keine Ahnung, ob diese Idee außerhalb dieser Challenge irgendeine Chance hat, aber im Moment gefällt sie mir auf jeden Fall sehr gut und fügt sich wunderbar in die Challenge. :)

Wort: General
Wörter: 761


Schattenkrieg - Der General

Er saß in seinem Büro, den Drehstuhl zur Wand gedreht. Die Wand war bedeckt mit eingerahmten Fotos, die er gedankenverloren anstarrte. So viele Menschen, so viele Geschichten, so viele Erinnerungen... Er starrte all die unterschiedlichen Gesichter an und dachte daran, wie sie geredet, gelacht und geweint hatten. Er dachte an die gemeinsamen Momente und das, was davor und danach in ihrem Leben gewesen war oder zumindest hätte sein können. Es waren nur Wenige dabei, die tot waren, aber es waren doch Einige.
Er stieß ein langgezogenes Seufzen aus und wandte sich wieder seinem Schreibtisch zu, auf dem ein Brief lag. Es war nicht besonders lang. Doch er musste auch gar nicht lang sein, der Inhalt und vor allem die Unterschrift der Präsidentin höchstperönlich reichten vollkommen aus, um ihn aus der Bahn zu werfen.
Vor zwei Jahrzehnten war er Mitglied einer speziellen Sondereinheit gewesen. Mit gemischten Gefühlen dachte er an diese Zeit zurück. Als er direkt nach der Schule zum Militär gegangen war, hatte er noch keine Ahnung gehabt. Damals hatte er es getan, weil das in seiner Familie so üblich war und ihm die Vorstellung irgendwie gefallen hatte. Tatsächlich war er auch ein wirklich guter Soldat gewesen und sehr schnell aufgestiegen, was er wohl auch mit seinen familiären Verbindungen innerhalb des Militärs zu verdanken hatte, obwohl das natürlich immer alle abstritten. Aber ihn hatte das nie gestört. Er war auch nie sonderlich stolz darauf gewesen, aber es war okay gewesen.
Es war nach wie vor okay, denn er arbeitete noch immer fürs Militär, wenn auch inzwischen ausschließlich im Büro und er war damit sehr zufrieden, war mit seinem Leben zufrieden. Er war stolz auf das, was er selbst erreicht hatte und ließ sich da nicht von anderen reinreden.
Wie er aber jetzt auf diesen Brief blickte, fühlte er sich mit einem Mal wieder zwanzig Jahre jünger und es verursachte ihm eine Gänsehaut, gleichzeitig setzte es seinen Körper mit einem prickelndem Kribbeln unter Strom. Es war viel schreckliches passiert damals, aber es war auch sehr aufregend gewesen. Es war das größte Abenteuer seines Lebens.
Und jetzt sollte dieses Abenteuer nach zwanzig Jahren plötzlich weitergehen.
Er wusste absolut nicht, was er damit anfangen sollte. Es kam ihm total unwirklich vor. Vielleicht war es ein Traum. Vielleicht war das diese Midlife Crisis, von der immer die Rede war und er wünschte sich bloß, dass er einen solchen Brief bekommen würde.
Aber nein, dafür fühlte es sich viel zu real an und niemals würde er sich das wünschen, was in diesem Brief stand:
General,
ich ersuche dich um Hilfe. Einzig du bist zu dem fähig, um das ich dich bitten muss. Es tut mir im Herzen weh, dir diese Last auf die Schultern zu laden, aber mir bleibt keine andere Wahl. Unser aller Leben hängt davon ab.
Ja, ganz richtig, General, sie sind zurück. Die Schatten sind zurück und mit ihnen die Krankheit. Es ist furchtbar. Ich erhielt die Nachricht erst gestern und ich schreibe dir mit der Eilpost und benutze den Code, den wir damals entwickelt haben, denn du weißt ja, die Geheimhaltung ist von höchster Wichtigkeit.
Um zu meinem Anliegen zu kommen: Leite eine Sondereinheit, so wie du es damals getan hast. Ich weiß, dass du im Herzen noch immer jung bist und das werden auch die Tests zeigen, denen sie dich erneut unterziehen werden. Dir werden junge Soldaten unterstellt, so wie damals. Führe sie, General. Tue es für mich und für die gesamte Menschheit.
In Liebe,
Luchs
Auch ohne die Unterschrift der Präsidentin hätte er sofort erkannt, dass der Brief von ihr kam. Doch sie hatte es offiziell machen müssen, um die höchste Geheimhaltungsstufe fordern zu können.
Er seufzte erneut und schloss die Augen. Er würde also wieder in den Krieg gegen die Schatten ziehen, zusammen mit einem Haufen Kindern. Es würde schrecklich werden und aufregend. Er freute sich nicht, aber er war gespannt und er würde seine Pflicht bestellen. Wenn Luchs ihn darum bat, konnte er nicht anders, auch wenn er sich nach allem, was damals passiert war, eigentlich geschworen hatte, es hinter sich zu lassen.
Doch das Schicksal hatte wohl andere Pläne. Vielleicht würde er dieses Mal die Ungereimtheiten aufdecken, die ihm und seinen Kameraden damals aufgefallen waren. Vielleicht würde er es dieses Mal schaffen, hinter die Fassade zu blicken.
Und wenn nicht er, würden es vielleicht seine Soldaten schaffen.
In jedem Fall würde er dieses Mal dafür sorgen, dass keiner seiner Leute starb und wenn er dafür mit dem Leben bezahlen würde. Niemals wieder würde er zu lassen, einen seiner Leute an die Schatten oder die Krankheit zu verlieren.