Dienstag, 2. September 2014

02.09.2014

Dear Sweet Heart.

Meine Eltern sind nicht mehr zusammen. Sie sind kein Liebespaar mehr.
Das haben sie bzw. mein Vater meiner Schwester und mir vor zwei Tagen gesagt.

Ich hab das immer noch nicht richtig realisiert. Es fühlt sich komisch an. Vielleicht sollte ich darüber auch nicht unbedingt schreiben, wo ich jetzt gerade erkältet bin und mein Kopf da nicht mehr so richtig zu funktionieren scheint.
Aber wenn ich nicht darüber schreibe, habe ich das Gefühl, ich würde es verdrängen und ich glaube, ich verdränge viel zu viele Dinge, die mich eigentlich direkt betreffen.

Natürlich ist es vor allem eine Sache zwischen meinen Eltern und es ist auch nicht so, dass diese Nachricht überraschend kommen würde. Sie hatten sich häufig gestritten in letzter Zeit und ich hab davon so ziemlich alles mitbekommen, was nicht gerade schön war. Aber na ja, ich schätze so ist das, wenn man schon 18 ist und das Zimmer keine Tür hat, weil es der Dachboden ist.

Ich weiß jetzt wirklich nicht, was ich über die ganze Sache denken oder fühlen soll...

Wie sie es uns direkt und offiziell gesagt haben, hab ich zu weinen angefangen und war auch danach eine kleine Weile ziemlich fertig, vor allem auch wegen meiner Schwester und weil wir noch ein bisschen darüber geredet haben. Es war, als würden die Tränen immer und immer wieder kommen, vehement gegen diese eine Mauer in meinem Inneren drückend.

Doch als ich mich soweit wieder beruhigt hatte, kamen auch in der Nacht keine weiteren Tränen. Keine Ahnung. Es war, als wäre die Sache für mich gegessen und irgendwie ist sie es auch und dann auch wieder nicht... Ich bin irgendwie verwirrt...

Auf der einen Seite ist es auch so, dass ich denke, dass es besser ist, wenn man sich trennt, wenn es denn dann nicht mehr funktioniert. Wozu soll man sich da gegenseitig noch was vorspielen? Und ich glaube, seit meine Eltern entschieden haben, dass sie nicht mehr zusammen sind, geht es ihnen beiden auch besser und sie kommen besser miteinander aus.
Es ist auch nicht so, dass sie sich jetzt ständig streiten oder so, überhaupt nicht. Sie streiten eigentlich gar nicht mehr, im Vergleich zu vorher.

Wir leben auch alle noch zusammen. Niemand ist ausgezogen.

Genau deshalb fühlt es sich wahrscheinlich so komisch an.
Im Grunde hat sich nämlich nichts verändert. Es ist alles genauso wie vorher.

Aber es liegt eine gewisse Anspannung in der Luft, zumindest was meine Schwester und mich betrifft. Wir warten jetzt quasi darauf, dass sich etwas verändert. Weil ''für immer'' wird unser Vater wohl nicht hier bei uns im Haus wohnen bleiben.
Ich will nicht, dass er auszieht...

Oh und da kommen die Tränen...

Auf der anderen Seite ist es nämlich so, dass ich darauf gehofft habe, sogar irgendwo tatsächlich gedacht habe, dass alles wieder gut ist zwischen meinen Eltern. Sie haben sich nicht mehr gestritten und wir waren auch letztens erst im Urlaub und das war schön.
Und dann erfahren meine Schwester und ich, dass sie im Urlaub schon gar nicht mehr zusammen waren und das tut so verdammt weh.
Nicht nur angelogen worden zu sein, sondern weil es schön war und irgendwie sind diese Erinnerungen jetzt überschattet.

Am meisten tut es mir leid für meine kleine Schwester.
Ich bin schon 18. Ich ziehe vielleicht nächstes Jahr aus, wenn alles so klappt, wie ich es am liebsten hätte.
Aber sie ist erst 15. 15! Sie wird bestimmt noch drei Jahre hier in unserem Haus wohnen und sie wird die ganze Veränderung ganz anders empfinden, als ich, weil sich bei mir im Moment sowieso alles verändert, aber sie geht noch zur Schule und alles.
Und sie stellt sich so viele Fragen, so unendlich viele Fragen. Fragen, die ich mir (inzwischen) gar nicht mehr stelle. Fragen, die ich mir, so wie ich jetzt bin, gar nicht erst gestellt habe.
Aber ich verstehe, warum sie sich so viele Gedanken macht. Es ist eine Veränderung, eine heftige Veränderung.

Vor allem, weil unsere Eltern immer zusammen waren, immer. Seit wir denken können.
Damit will ich nicht sagen, dass Kinder, deren Eltern sich früher getrennt haben, es leichter haben. Ich glaube sogar, dass sie es schwerer haben. Aber sie wachsen damit auf. Darüber hatte ich mit meiner Schwester geredet und sie hat schon irgendwo recht.
Aber auch Kinder, deren Eltern sich früh trennen, müssen sich erst daran gewöhnen.
Keins von beidem ist leicht. Beides ist schwer und schlimm und blöd.

Aber Dinge verändern sich nunmal. Ständig. Häufig bekommen wir es gar nicht mit. Es passiert einfach und dann kommt dieser eine Moment, in dem die Auswirkungen der Veränderung, die schon die ganze Zeit stattfindet, dich erschlägt und es kommt dir vor, als würde es sich erst ab da alles verändern. Dabei hat sich schon alles verändert.
Es hat sich schon alles verändert.
Was ich/wir/alle immer beweinen ist demnach etwas, dass bereits passiert ist und an dem wir nichts mehr ändern können. Wir beweinen das Passierte, nicht das, was vor uns liegt. Wir beweinen das, was wir nicht mitbekommen haben, aber hätten mitbekommen müssen.

Ach was, wir beweinen einfach alles an der Situation – das Vorhergegangene, den Augenblick und alles, was danach kommen könnte. So ist das mit Tränen und Veränderungen.

Ich werde weiterhin versuchen, meinen Kopf nicht mit Vorstellungen und Möglichkeiten und sinnlosen Fragen zu belasten, sondern ihn frei zu halten, für das Jetzt und Hier, weil immer etwas Gutes und Schönes passieren kann. Man muss nur bereit dafür sein.

Und das ist jetzt ein etwas seltsames Ende für einen etwas seltsamen Post. Aber na ja, ich bin erkältet, also geht das in Ordnung.

Montag, 1. September 2014

01.09.2014

Dear Sweet Heart.

War ein bisschen Achterbahn der Gefühle in den letzten Tagen bei mir. Na ja, ich fang jetzt mal mit dem Positivem an, dass mir – glücklicherweise – immer noch in den Knochen steckt und dort auch hoffentlich noch eine ganze Weile bleiben wird.

Ich hab nämlich echt tolle Leute kennengelernt und die würde ich auch sehr gerne wiedersehen und noch weiter kennenlernen und jede Menge Spaß mit ihnen haben.

Letzte Woche hatte ich mein Einführungsseminar für mein FSJ. Da war erstmal ziemliches Chaos. Erst hieß es, ich solle dahin kommen, dann bin ich auch zum Hauptbahnhof gefahren, mit Koffer und allem. Als ich da war, hieß es, ich hätte eine E-Mail bekommen sollen, in der dann stand, dass ich an einem anderen Termin fahre. Also zurück nach Hause. Zuhause wurde ich dann angerufen, ich solle doch mitfahren. Ende vom Lied: ich bin wieder in den Zug gestiegen und alleine zum Zielort gefahren.
Dort war ich dann eine ganze Woche und ich bin unheimlich froh, dass ich dabei war.

Gleich wohl gefühlt habe ich mich (natürlich) nicht. Ich kam ja später und später in eine Gruppe zu kommen, ist immer komisch. Zum Glück war ich nicht die Einzige.
Aber ich wurde gleich total lieb aufgenommen und quasi in ein Zimmer eingeladen. Allein das hat mich schon gefreut und da wusste ich ja noch gar nicht, wie cool es noch werden würde.

Zuerst einmal wurde ich auf meine Attack On Titan Jacke angesprochen, gleich zwei Mal. Waaaaah, andere Anime&Manga-Fans O________O Das hat mich dann sehr glücklich gemacht und noch glücklicher hat es mich gemacht, dass man mit diesen Leuten (am Ende waren es dann drei weitere und ich) sich auch super unterhalten konnte.

Sehr positiv überrascht war ich dabei vor allem von einem älteren Jungen, der sich gerne Boys Love anschaut und überhaupt total die coole Einstellung in dem Punkt hat. Mit dem konnte ich mich wirklich sehr gut unterhalten und das hätte ich gerade bei einem Jungen irgendwie nicht erwartet, umso besser.
Ein Yaoi-verrücktes Mädchen war dann auch noch mit dabei und damit war es dann sozusagen perfekt.
Nein, richtig perfekt hat es erst die Dritte im Bunde gemacht. Sie ist ein richtig liebes, knuddeliges Mädchen und ich habe sie sofort ins Herz geschlossen.

Die Drei will ich definitiv wiedersehen.

Aber auch sonst war die Woche einfach toll.
Meine zwei Zimmerkameradinnen waren auch richtig nett. Mit einer von ihnen, die die mich ins Zimmer ''eingeladen'' hatte, konnte ich mich auch wunderbar unterhalten und das andere Mädchen war auch sehr nett.

Überhaupt hat man sich einfach wohlgefühlt in der Gruppe. Das war echt ein tolles Gefühl. Man konnte offen und ehrlich sein, sagen, was man dachte und das hat man nicht oft, das ist etwas Besonderes.

Schade, dass das nicht meine richtige Seminargruppe ist. Aber der Leiter von meiner und der Gruppe, mit der ich mitgefahren bin, ist der Selbe, weshalb ich auch mit der Gruppe, die ich kennengelernt habe, auf jeden Fall nochmal wegfahre. Darauf freue ich mich jetzt schon.
Insgesamt gibt mir diese Erfahrung irgendwo die Sicherheit, dass es schön werden kann, auch wenn man nicht direkt damit rechnet.

Überhaupt wird etwas meist besser, wenn man sich nicht zu viel davon erwartet bzw. nicht viel oder sogar gar nicht vorher groß darüber nachdenkt. Das habe ich gelernt und diese Methode hat sich ein weiteres Mal bewährt.
Erwartungen und bestimmte Vorstellungen verschleiern alles, was dann tatsächlich passiert. Sie werten das, was wirklich geschieht, ab.
Deshalb glaube ich auch, dass es nie so schön geworden wäre, wie es letztendlich war, wenn ich vorher darüber nachgedacht hätte, wie es hätte sein können.

Die Geheimformel lautet: Nicht über das KÖNNTE nachdenken, sondern, wenn es soweit ist, das IST leben.

Klar kann man seine Gedanken oft nicht kontrollieren oder gar abschalten, aber man kann diese Formel im Hinterkopf behalten und sich daran erinnern, wenn man zu viel grübelt. Das hilft. Mir hat es geholfen und mir eine tolle Woche beschert und es wird mir hoffentlich auch ein tolles FSJ bescheren und ganz viele andere tolle Ereignisse.

Sonntag, 24. August 2014

Buch: World After (Englisch) von Susan Ee

Dear Books.




''World After'' ist die Fortsetzung von ''Angelfall''. Auf Angelfall bin ich durch Zufall gestoßen. Auf Tumblr hab ich ein Bild gesehen und da dachte ich mir, schauen wir doch mal, was das für ein Buch ist und schwups hatte ich es mir gekauft.
Zu der Zeit gab es Angelfall noch nicht auf Deutsch und da ich sowieso sehr gerne englische Bücher lese, habe ich es mir dann auf Englisch gekauft und auch das zweite auf Englisch gelesen.

Story in Stichworten: Engel. Weltuntergangsstimmung. Überlebenskampf. Flügel.

Handlung: Engel haben die Erde angegriffen und Penryn kämpft ums Überleben. Ihre kleine Schwester versucht sie zu retten, die Verrücktheiten ihrer Mutter erträgt sie und dem Engel Raffe will sie helfen.

Da ich einen Faible für Engel habe und auch diese ganzen Weltunergangsgeschichten mir immer sehr gefallen, klang die Story wie die perfekte Mischung und das ist sie auch. Das ist sie wirklich. Zumindest nach meinen Maßstäben.

Hinzu kommen die fantastischen Charaktere.
Die Protagonistin, Penryn, aus deren Sicht die Bücher geschrieben sind, ist ein starkes, selbstbewusstes, humorvolles Mädchen, das trotz ihrer thoughen Art auch eindeutig Schwächen und Ängste hat, die sie aber gut zu verstecken weiß.
Ihre kleine Schwester ist eine süße und liebevolle Siebenjährige, während die Mutter der Beiden ziemlich durchgeknallt ist und (auch schon vor dem Angriff der Engel) an Dämonen glaubt und sich insgesamt ziemlich gestört aufführt.
Raffe wirkt kühl, hat aber mit einer ganzen Menge Gefühlen zu kämpfen, was an der ein oder anderen Stelle mehr als deutlich wird. Auch er hat Humor, weshalb er wunderbar mit Penryn harmoniert. Die Gespräche der Beiden sind immer sehr unterhaltsam.
Von den Nebencharakteren habe ich jetzt nicht so viel im Kopf, aber auch sie sind allesamt interessant und fügen sich gut in die Geschichte ein.

Die Story insgesamt ist richtig spannend. Die Idee an sich kling schon sehr vielversprechend und ich wurde nicht enttäuscht.
Zwar geht es viel um den Überlebenskampf in der World After, aber in einer zerstörten, besetzten Welt macht das nur Sinn und es ist zu keinem Zeitpunkt langweilig, da man immer gespannt auf das wartet, was als nächstes passieren könnte.
Im ersten Buch verbringen Penryn und Raffe die meiste Zeit zusammen alleine, weshalb es schon allein aufgrund ihrer charakterlichen Kombination und der Tatsache, dass sie Mensch und Engel sind, sehr interessant ist. Zusammengeschlossen haben sie sich, weil ihre Ziele sie verbinden. Penryn will ihre von den Engeln entführte Schwester retten und Raffe seine Flügel, die ihm brutal abgeschnitten wurden, zurückhaben.
Im zweiten Buch geht es auch ein bisschen mehr über das Leben der anderen Menschen in der Welt danach. Außerdem kommt Penryns Schwester eine wichtige Rolle zu und ebenso einem Dämonen und zwei Paaren Flügel.

Was die Liebesgeschichte angeht:
Romanze steht in diesen Büchern ganz und gar nicht im Vordergrund. Es sind immer kleine Momente, die einem das Lesen versüßen. Da die Geschichte aufregend und fesselnd ist, kann sich der Romanze-Part ruhig zurückhalten, finde ich. Meiner Meinung nach ist genau die richtige Prise Love-Story enthalten. Es könnte ruhig mehr sein, aber gerade dadurch, dass diese Momente so rar sind, werden sie zu etwas ganz besonderem.

Brutalität:
Hin und wieder gibt es im Verlauf der Story so Momente, in denen man das Kopfkino schon lieber ausschalten würde... Ganz besonders detailliert, sind die Szenen nicht geschrieben, aber es ist schon so, dass man das Gesicht verzieht. Ich war immer wieder leicht geschockt, aber es passt sehr gut zur Story und es ist in dem Sinne wie mit dem Romanze-Anteil, es kommt nur hin und wieder vor und ist nicht durchgehend präsent.

Ich will nicht spoilern, deshalb halte ich mich, was die Story angeht, ziemlich wage. Gerade im ersten Buch gibt es nämlich eine Menge heftiger Plotwandlungen, die beim Lesen mein Herz zum Rasen gebracht haben und dieses Gefühl will ich niemanden wegnehmen.

Das zweite Buch im Vergleich zum ersten:
Mir hat das erste Buch eindeutig besser gefallen. Das liegt zu einem großen Teil wahrscheinlich daran, dass Raffe und Penryn im zweiten Buch die meiste Zeit getrennt sind und mir die Zwei als Pärchen einfach unheimlich gut gefallen, weil sie so lustig zusammen sind und man einfach beim Lesen spürt, dass etwas zwischen ihnen ist.
Aber auch von den überraschenden Wandlungen in der Handlung hat mir das erste Buch besser gefallen. Beim zweiten Buch kam es mir eher so vor, als würde die Story dahin gelenkt werden, wo sie hin soll. Das wird sie natürlich auch, da die Autorin ja eine gewisse Vorstellung von dem hat, was noch passieren wird, aber man sollte diese lenkende Hand eigentlich nicht beim Lesen spüren. Dadurch verliert die Handlung an Realistischkeit.
Die restlichen Entwicklungen und besonders Raffes Kampf um seine Flügel und die Sache mit Penryns Schwester Paige sind und bleiben aber spannend und auch sonst verliert die World After nicht an ihrem Charme, im Gegenteil. Die Einblicke im zweiten Buch gehen sogar noch tiefer.
Wahrscheinlich hat das erste Buch einfach zu sehr ''Erstes-Buch-Zauber'', als das das Zweite das noch toppen könnte. Aber die Story wird spannend weitergeführt und ich bin richtig gespannt, auf das dritte Buch.

Fazit:
Eine (bisher) tolle Buch, die es sich auf jeden Fall zu lesen lohnt, vor allem wenn man Fan von Endzeit-Storys und Engeln ist und eine starke, weibliche und dennoch humorvolle und menschliche Protagonistin einen ansprechen.
Die Romanze-Szenen und die Handlungshöhepunkte haben mir (natürlich) am besten gefallen. Doch auch sonst kann sich die Story, der Schreibstil und alles drumherum sehen lassen. Ich kann diese unglaublich tolle Buchreihe nur empfehlen.


Samstag, 23. August 2014

Challenge 52/52: Unter dem Sternenhimmel

Und hier ist meine sechste Kurzgeschichte. Ich weiß selbst nicht so genau, ob ich sie nun mag oder besser hätte anders schreiben sollen... Na ja, der tiefere Sinn gefällt mir auf jeden Fall und die Charaktere auch.

Wort: Endlos
Wörter: 781


Unter dem Sternenhimmel

 Seite an Seite lagen sie auf der Wiese. Die kühle Nachtluft wiegte das Gras um sie herum hin und her. Über ihnen funkelten am schwarzen Himmelszelt abertausende von Sternen. Fahl fiel das Licht des Mondes auf die zwei, im Gras liegenden Gestalten.
Es waren Kinder, ein Mädchen und ein Junge. Das junge Mädchen trug ein strahlend weißes Kleid. Es war so weiß, dass es das Licht des Mondes auffing und dadurch umso heller strahlte. Die weit geöffneten, hellen Augen und die weichen Gesichtszüge machten sie wunderschön und unschuldig. Ihr langes, blondes Haar lag zu einem Zopf geflochten auf ihrer Schulter. Sie streichelte es abwesend mit einer Hand. Dabei war ihr Blick in den Himmel gerichtet.
„Das ist Ewigkeit“, sagte sie. „Dieser Moment ist Ewigkeit.“
Der Junge neben ihr blickte sie mit weit geöffneten Augen an. Ihre Kleidung wirkte wie ein Nachthemd, bei seinem karierten Outfit handelte es sich tatsächlich um seine Schlafkleidung. Mitten in der Nacht war er mit ihr aus dem Fenster gestiegen. Er erinnerte sich gar nicht so genau daran, wie es passiert war, aber er war froh, es getan zu haben. Froh jetzt hier bei ihr zu sein und zu den Sternen auf zu schauen.
„Ewigkeit?“, fragte er nachdenklich und richtete seinen Blick wieder auf den Nachthimmel. „Was soll das sein – Ewigkeit?“
„Ewigkeit ist etwas, dass für immer bleibt“, erklärte sie mit einem Lächeln und sah, wie jede Nacht, gebannt an den funkelnden Himmel. Es war so wunderschön, so wunderschön. Und so unendlich. Unendlich und unendlich schön.
„Nichts bleibt für immer“, erwiderte der Junge und sprach, als wäre es eine Tatsache. „Alles verändert sich. Das habe ich von meinem großen Bruder und meinen Eltern gelernt.“
„Ich kann mich nicht mehr verändern. Ich bleibe für immer. Ich bin Ewigkeit“, sagte sie mit ihrer weichen, melodischen Stimme, die zwar einen kindlichen Klang besaß, aber doch eine gewisse Weisheit innehatte, die verriet, dass ihr Geist älter war, als ihr Äußeres es vermuten ließ.
Was sie sagte, war keine Antwort auf seine Worte, sondern eine Feststellung. So war es. So lagen die Dinge. Sie war ewig, würde ewig leben, würde niemals altern, würde alles überdauern. Jede Veränderung. Sie war unsterblich. Kein Teil der großen Veränderung, die die lebende Welt stetig vollzog. Sie war die Ewigkeit.
„Das kann nicht sein“, widersprach der Junge. „So etwas wie Ewigkeit und Unsterblichkeit gibt es gar nicht.“
„Doch. Doch, das gibt es“, beharrte sie. „Jetzt und hier gibt es Ewigkeit und Unsterblichkeit.“
„Und wozu soll das gut sein?“ Er war verwirrt. Aber der Anblick der Sterne war zu schön, zu fesselnd, um sich ernsthaft aufzuregen und eine richtige Diskussion anzufangen. Lieber fragte er weiter nach. Sie beantwortete ihm schließlich jede Frage ohne Umschweifen und ganz ehrlich.
„Wozu es gut sein soll? Es gibt Sicherheit. Die Sicherheit auf ein Morgen, die Sicherheit auf eine Zukunft.“ Er musste den Blick doch wieder vom Sternenhimmel abwenden, um sie anzusehen. Sie war mindestens genauso schön, wie der Sternenhimmel und genauso anziehend, genauso unendlich.
„Aber es wird vorbeigehen – dieser Augenblick und Alles andere“, meinte er leise. Sein Ziel war es nicht, sie zu verschrecken oder ihr diese Vorstellungen auszureden. Das konnte er wohl auch gar nicht. Viel zu überzeugt waren ihre Worte und viel zu fest ihre Stimme. Aber trotzdem glaubte er nicht, was sie sagte. Wie konnten Ewigkeit und Unsterblichkeit der Wahrheit entsprechen, wenn er doch so genau wusste, dass Veränderung und Unbeständigkeit das Leben definierten?
„Nein“, widersprach sie. „Es wird nicht vorbei gehen. Nichts wird vorbei gehen. Es wird ewig andauern. Jeder Augenblick. Jede noch so kleine Sekunde.“ Langsam wandte sie dem Blick vom funkelnden Nachthimmel ab, um ihn anzulächeln. Ihre Augen glänzten. „Verstehst du denn nicht? Nichts geht je zu Ende. Es ist immer bei uns. In unseren Herzen, unseren Gedanken, unseren Erinnerungen, unserer Seele. Alles, was war, macht uns aus und das wird es immer tun. Jede Sekunde ist wichtig. Jede Sekunde ist unendlich. Alles ist Ewigkeit und Unsterblichkeit.“
Die Augenbrauen zusammenziehend erwiderte er ihren Blick. Was redete sie da? Er konnte nicht ganz verstehen, wovon sie sprach. Obwohl ihre Worte klar und deutlich waren, führten sie bei ihm zu Verwirrung.
„Wir sind also unendlich?“, fragte er nach. „Alles ist unendlich?“
Sie nickte. „Ja. Das Leben ist ein endloser Kreislauf aus Ewigkeit und Unsterblichkeit, aus Veränderung und Unbeständigkeit. Alles wiederholt sich und alles hat seinen Sinn, jede einzelne Sekunde. Nichts ist verschwendet. Das Leben verschwendet nicht“, erklärte sie und lächelte. Dieses Lächeln – dieses Lächeln war auch unendlich. Für immer würde er sich daran erinnern.
Das war es wohl, was sie meinte.
Nichts ist für immer. Aber der Moment – der Moment ist endlos.

Dienstag, 12. August 2014

Challenge 52/52: Der Ausbruch

Zeit für meine fünfte Kurzgeschichte, die schon seit einer ganzen Weile fertig ist. Ich hatte sie schon fast vergessen.

Wort: Schlüssel
Wörter: 571


Der Ausbruch

 Es ist dunkel, sehr dunkel. Sie kann die eigene Hand vor ihren Augen nicht sehen. Ängstlich schlingt sie die Arme um ihre Beine und drückt ihr Gesicht auf ihre Knie. Ein Laut entweicht ihr, eine Art Wimmern oder Schluchzen, ein Laut der Verzweiflung.
Doch hier ist niemand, der sie hören könnte. Sie hat es bereits versucht. Am Anfang hat sie hemmungslos geweint, laut geschluchzt und geschrien, aber es ist niemand gekommen. Niemand hat sie gehört. Demnach hört sie auch jetzt niemand. Niemand wird sie je hören. Sie wird für immer hier eingesperrt sein, in der Dunkelheit.
Tränen rinnen ihre Wangen hinab. Niemanden kümmert es. Da ist niemand, den es kümmert, wo sie ist und wie sie sich fühlt. Sie ist ganz allein, in der Dunkelheit.
Alles, was ihr geblieben ist, sind die Gedanken in ihrem Kopf und ihre eigenen, kalten Hände. Ihre Finger umschließen einander, halten einander zusammen, so wie sie trotz allem versucht, sich selbst zusammenzuhalten. Aber ihre Gedanken sind so düster, wie die Schwärze, die sie umgibt und sie kann ihnen nicht entkommen, genauso wenig wie sie diesem Ort entkommen kann. Fortwährend kreisen sie durch ihren Kopf, diese Gedanken: Ich bin nutzlos. Ich bin wertlos. Ich bin ungeliebt. Ich bin ganz allein und ich werde für immer allein sein.
Sie schmerzen, diese Gedanken, mehr noch, als die Dunkelheit um sie herum. Diese Dunkelheit, sie könnte sie ertragen, wenn es in ihrem Kopf nicht so laut wäre, wenn ein Teil von ihr nicht denken würde, sie hätte diese Strafe verdient.
Ein Schluchzen entweicht ihr und sie presst die Lippen aufeinander, hält ihren zitternden Körper und versucht die Düsternis in ihrem Kopf zu vertreiben: Ich bin stark. Ich werde nicht aufgeben. Ich atme und lebe. Ich kann es schaffen.
Grob wischt sie sich übers Gesicht und öffnet ihre tränennassen Augen, da sieht sie ein Licht. Vor Überraschung ist sie wie erstarrt. Da ist ein Licht, ein Licht. Sie kann es nicht glauben, ein Licht. War es schon immer da? Langsam richtet sie sich auf. Die Dunkelheit um sie herum scheint nach ihr zu greifen und sie festhalten zu versuchen, doch sie sieht bloß das Licht, dieses feine Schimmern.
Es ist nur ein einziger Strahl, ein kleiner Punkt und dennoch ist es so hell und wunderschön. Sie kann den Blick nicht abwenden, kann ihren halb geöffneten Mund nicht schließen. Sie steht nur da und starrt es an, überwältigt und hoffnungsvoll.
Schließlich begreift sie, was dieses Licht ist, was es zu bedeuten hat und ihre Lippen werden zu einem kleinen Lächeln. Sie streckt dem Licht die Hand entgegen, als könne sie es greifen. Ihre Finger umschließen bloß Luft, aber sie kann es sehen, sie kann es so deutlich sehen. Da ist Licht. Da ist Licht.
Durch ein Schlüsselloch erhellt es den dunklen Ort, an dem sie sich befindet. Und wo ein Schlüsselloch ist, gibt es einen Schlüssel.
Ein Zittern durchfährt ihren Körper und neue Tränen bedecken ihre Wangen. Doch dieses Mal sind es Tränen der Freude und der Erleichterung und ein Zittern der Entschlossenheit. Sie wird es schaffen, sie wird hier rauskommen.


Mit einem Mal ist die Dunkelheit um sie herum weitaus weniger Angst einflößend und ihre Gedanken weitaus weniger erschreckend, denn mag sie auch durch die Schwärze gefangen genommen und einsperren sein, gibt es doch immer Hoffnung – ein Licht, das durch ein Schlüsselloch scheint – und einen Ausweg in Form eines Schlüssels, der sie aus ihrem eigenen Gefängnis zu befreien vermag.

Montag, 11. August 2014

11.08.2014

Dear Sweet Heart.

Nach allem bin ich mir noch immer nicht 100%tig sicher, was ich eigentlich fühle.
Okay, so geht es mir ziemlich oft in vielen Punkten. Das ist nichts Neues. Nur dieses Mal wäre es mir irgendwie wichtiger, mir ganz sicher zu sein. Immerhin geht es um meine Zukunft.
Gut, um es genau zu sagen, geht es um ein Jahr.

Bei einem FSJ handelt es sich um ein Freiwilliges Soziales Jahr, das, wie der Name schon verrät, freiwillig ist und im sozialen Bereich abgeleistet wird. Die genaue Prozedur will ich jetzt nicht weiter erklären, da die Worte freiwillig und sozial genug sagen.
Ein soziales Jahr zu machen, hatte ich eigentlich nicht geplant. Ich wollte ein Freiwilliges Kulturelles Jahr machen, am liebsten im Theaterbereich. Dort ist die Konkurrenz aber sehr groß und die Vermittlung erfolgt auf einem etwas anderen Weg. Deshalb hat es nicht geklappt.
Für ein Studium fühlte/fühle ich mich einfach noch nicht bereit, weshalb ich mich dann für ein Freiwilliges Soziales Jahr entschieden habe und zwar im Bereich der Tagespflege in einem Altersheim.

Dieses ganze Altwerden schreckt mich ab, das hat es schon immer getan und in dem Sinne bin ich dort völlig fehl am Platz und so habe ich mich auch teilweise gefühlt. Weil ich dort im Grunde nicht sein will. Es ist nicht das, was ich machen will. Ich könnte mir tausend bessere Dinge vorstellen, tausend Sachen, mit denen ich lieber meine Zeit verbringen würde.

Warum habe ich mich dann trotzdem dazu entschieden?
Nun, das war eben meine letzte Möglichkeit. Das mag jetzt blöd klingen, aber so habe ich am Anfang gedacht und so denke ich in gewisser Weise immer noch.
Aber wenn mich diese Arbeit wirklich unheimlich abschrecken würde, könnte ich sie gar nicht tun und das habe ich jetzt schon eineinhalb Tage lang getan (Hospitationstag + erster Arbeitstag).

Ab hier wird es interessant.
Ich habe kein Problem damit, mich um alte Menschen zu kümmern. Natürlich gibt es eine gewisse Hemmschwelle und die musste ich erstmal überschreiten, aber das ist viel leichter, als ich gedacht habe. Ich kann mich tatsächlich so sehr auf die Arbeit konzentrieren, dass sich meine Gedanken einfach abschalten und dann erreiche ich sogar einen Punkt, wo es mir Spaß macht.

Außerdem bin ich der Ansicht, dass das Altwerden etwas ist, womit sich auseinander gesetzt werden muss. Es betrifft uns alle und im Durchschnitt wird die Weltbevölkerung eben nun mal immer älter. Jeder sieht sich früher oder später mit dem Thema Altwerden konfrontiert, spätestens bei sich selbst.

Direkt vor ihrem Tod habe ich meine Urgroßmutter nicht mehr gesehen und als mein Opa einen Schlaganfall hatte, war ich nicht mit, als meine Familie ihn besucht hat. Ich konnte das nicht. In erster Linie, weil ich es nicht wollte.
Vielleicht war ich dazu auch einfach noch nicht bereit.
Im Endeffekt spielt es keine Rolle. Der Punkt ist, dass ich Angst hatte. Ich wollte das nicht sehen. Ich wollte nichts darüber wissen. Allein der Gedanke hat mich gelähmt. Ich wollte damit nicht konfrontiert werden.

Mit dem FSJ kann ich diese Angst, glaube ich, überwinden. Vielleicht bin ich längst dabei.

All das führt dazu, dass es sich anfühlt, als wäre ich langsam aber sicher immer überzeugter davon, dass ich dieses FSJ schaffen kann und es nicht nur ertragen werde, sondern auch viel daraus mitnehmen kann, was mir in meinem Leben helfen kann.

Ein Rest Zweifel, der nicht unbedingt klein ist, habe ich aber noch und ich weiß noch nicht, ob er verschwinden wird. Es ist eben doch nicht das, was ich machen will und in manchen Situationen überkommt mich Überforderung oder ich bin gelangweilt oder leicht angewidert. Es ist eben ein heikles Thema, dem man lieber aus dem Weg geht, was ich bis zu meinem Hospitationstag ja auch getan habe.

Mein erster Tag beim FSJ in der Tagespflege hat diese Zweifel, die sich seit meinem Hospitationstag wieder langsam aufgebaut hatten, wieder etwas abgeschwächt. In meiner Mittagspause waren meine Zweifel für einen Moment so überwältigend, dass ich am liebsten sofort aufgehört hätte, um irgendeine andere Sache zu finden, denn die Möglichkeit besteht. Sie besteht immer. Ich muss nichts machen, was mich belastet. Das will und muss ich nicht.
Allerdings ging es mir nach dieser Welle an Zweifel plötzlich viel besser und genau wo der Tag zu Ende war, machte die Arbeit gerade richtig Spaß. Meine Kollegen sind so unglaublich nett und die alten Leute sind irgendwie richtig liebenswürdig. Keine Ahnung, es ist eben doch schon ein sehr interessanter Job, in dem sich unglaubliches Potential finden lässt.

Ich weiß nicht. Es ist nicht wirklich meine Welt, das ist einfach eine Tatsache. Eigentlich gehöre ich da nicht so ganz hin. Aber ich kann es ja zu meiner Welt machen bzw. zu einer meiner Welten. Das kann ich und ich glaube, das werde ich. Vielleicht ist es auch schon längst passiert. Ein bisschen fühlt es sich so an. Denn, wie geschrieben, zum Schluss hat es mir am meisten Spaß gemacht und ich war danach unglaublich gut gelaunt. Würde es mir nicht gefallen, wäre dem nicht so gewesen.
Es ist Gewöhnungssache, keine Frage. Aber viele neue Dinge sind Gewöhnungssache. Das ist nichts Schlechtes. Es ist einfach etwas Neues, mit dem ich immer besser umzugehen lernen kann und ich glaube, das will ich auch – lernen damit besser umzugehen.
Es fühlt sich nämlich an, als würde der Job mir vieles zurückgeben können und ich bin fast so weit, zu sagen, dass ich denke, dass es das ist, was ich brauche.

Sonntag, 10. August 2014

10.08.2014

Dear Sweet Heart.

In vielen Punkten bin ich sehr, sehr widersprüchlich.
Das ist oft, als hätte ich zwei Persönlichkeiten oder sogar noch mehr. Ich betrachte viele Dinge von ganz unterschiedlichen Seiten, aus ganz verschiedenen Perspektiven.
Deshalb habe ich manchmal gar keine wirkliche Meinung bei bestimmten Dingen, zumindest keine Sofortige. Da ist es das Leichteste, sich der Meinung eines anderen anzuschließen, was ich nicht selten tue bzw. tat. Dieses Verhalten gehört mit zu dem, was ich gerne ändern würde.
Dazu müsste ich allerdings erst einmal diese ganze Zerrissenheitssache in den Griff bekommen.

Dinge sowohl von außen, neutral und von mir selbst aus zu betrachten ist nur ein Teil des Ganzen.
Unter anderem geht es auch darum, positiv und negativ eingestellt zu sein. Dabei ist die negative Einstellung meist die Leichtere. Ich muss nur nachgeben und all die schlechten Erfahrungen, die ich gemacht habe, all der Schmerz und die Traurigkeit und die Einsamkeit würden mich überwältigen, mit sich reißen und ertränken
Ich weiß, wie es sich anfühlt, nur das Schlechte zu sehen und quasi daran zu verzweifeln, denn es gab Momente und Situationen, wo es unmöglich war, gegen den Schmerz anzukämpfen.
Doch man kann sich herauskämpfen, mit aller Kraft. Ich habe mich herausgekämpft, mehr als einmal. Es macht stärker, das Kämpfen und die gewonnene Erfahrung. Inzwischen kann ich das spüren.
Jetzt setzte ich alles daran, das Positive zu sehen, immer.
Aber ich kenne eben auch das Negative und es lauert, um jede Sekunde zurück zu kommen.

Ich spreche mir Mut zu, obwohl es meist so viel leichter wäre, die Welt einfach als brutal und unfair anzusehen, was sie in vielerlei Hinsicht auch ist. Aber ich will das Positive sehen. Und darauf kommt es bei einer Einstellung an, nicht?

Vielleicht tröste ich mich damit auch nur selbst. In dem ich mir sage, dass Alles besser werden wird und meine Zeit schon noch kommen wird und ich meine Ziele erreichen kann, wenn ich es nur will, belüge ich mich am Ende vielleicht selbst.
Das kann ich nicht wissen. Aber ich denke, es ist immer besser, positiv an etwas heranzugehen, als es von vornherein schlecht zu reden.
Woher willst du wissen, ob du etwas kannst, wenn du es nie probiert hast? Nur, weil es nicht zu dir zu passen scheint? Das ist doch auch nur eine Ausrede entstanden aus Feigheit und Angst vor Neuem und Unbekanntem.

Das ist ein weiterer Punkt: der ewige Kampf zwischen Angst und Hoffnung.
Ich hoffe immer. Immer. Immer. Immer. Was bleibt einem sonst? Doch allzu oft folgt auf Hoffnung Enttäuschung und diese Angst vor der Enttäuschung oder der Blamage oder was auch immer, siegt manchmal über den Mut, den die Hoffnung mit sich bringt.
Bei mir siegt bzw. siegte die Angst viel zu oft. Ich bin kein mutiger Mensch. Ich habe Angst, immer. Aber, wie geschrieben, ich habe eben immer auch Hoffnung und das bedeutet Hoffnung darauf, dass die Hoffnung siegt. Es kostet dann Überwindung und Kraft, aber ich kann die Angst besiegen.

Mit einer positiven Einstellung und reichlich Überwindung zu genug Mut kann man so gut wie alles besiegen.
Daran glaube ich. Oder daran will ich zumindest glauben.

Das ist auch ein weiterer Punkt.
Manchmal weiß ich nicht, ob ich wirklich an etwas glaube oder nur daran glauben will.
Ich fühle mich völlig ungeformt. Ja, unerfahren. Was weiß ich schon?
Aber ich glaube, selbst wenn ich in manchen Dingen etwas Erfahrung hätte, wäre ich noch genauso naiv, nicht zu wissen, was ich glauben und woran ich mich halten soll und was ich eigentlich genau fühle und denke. Es ist immer ein einziges Chaos in meinem Kopf.

Mir steht das oft im Weg, diese Zerrissenheit und es ist etwas, was mich stört und woran ich arbeiten sollte. Aber, wie so ziemlich alles, hat es auch Vorteile.

Ich würde mich als sehr verständnisvoll bezeichnen. Ich kann nahezu jede Situation und Reaktion nachvollziehen und ich glaube, ich bin in dem Punkt so weit, dass ich fast jedem einräumen würde, nicht selbst Schuld zu sein, weil es immer irgendeinen tiefgehenden Auslöser, einen Grund gibt.
Das heißt nicht, dass ich grundsätzlich alles entschuldige und toleriere. Nein, ich habe schon einiges, von dem ich überzeugt bin und empfinde Dinge für falsch oder richtig.
Aber es gibt eben immer mehrere Seiten.

Wie so viele Menschen vergesse ich das manchmal und urteile vorschnell. Aber gleich danach schalten sich immer meine Gedanken ein und ich gerate ins Grübeln und stelle meine Meinung in Frage, weil es im Grunde gar nicht meine Meinung ist, sondern nur das, was mir als erstes in den Kopf kam.
Vielleicht ist genau das aber auch am Ende meine Meinung?
Ich weiß es nicht. Der erste Gedanke kann der Richtige, aber auch der Falsche sein. Vielleicht kann ich mich selbst deshalb oftmals nicht einschätzen und kenne mich nur in bestimmten Hinsichten sehr gut, sodass ich meine Reaktion vorher weiß.

In jedem Fall denke ich, dass ein Mittelweg der Schlüssel zu allem ist.
Zu viel Zerrissenheit schmerzt nur und verwirrt und macht es unmöglich, Entscheidungen zu treffen, womit ich im übrigen auch Probleme hab. Aber ohne die Möglichkeit, Etwas aus mehreren Perspektiven zu betrachten, würde ich nicht nur an Verständnis einbüßen, sondern auch dieses weitreichende Denken verlieren, zu dem ich fähig bin und dass es mir ermöglicht, so komplex zu denken und mich selbst zu verwirren und mich ständig in andere Gedankengänge zu verstricken.

Ich muss nämlich schon sagen, wie nervig es auch sein kann und wie sehr ich manchmal dagegen ankämpfen muss, ich mag diese Zerrissenheit, dieses Widersprüchliche irgendwie.
Es ist ein Teil von mir. Ohne die Zerrissenheit wäre ich nicht, ich selbst.
Ich bin gespannt, was das, was zukünftig in meinem Leben passieren wird, aus diesem Durcheinander machen wird.