Mittwoch, 18. Juni 2014

18.06.2014

Dear Sweet Heart.


Es passiert schon wieder – ich blockiere mich selbst. 
Und da mir nichts besseres einfällt, schreibe ich jetzt einen Post darüber, in der Hoffnung, dass es dadurch vielleicht besser wird.

Was meine FanFiktions angeht, lasse ich mich nicht so leicht blockieren. Natürlich gibt es auch da Momente, wo ich am Stocken bin und nicht wirklich vorankomme, aber das hält meist nicht allzu lange an. Das lässt sich wahrscheinlich dadurch erklären, dass ich meist ein sehr klares Ziel vor Augen habe und mich bei dem, was ich Schreibe gut fühle und auch denke, dass es gut ist.

Sobald es dann aber um so Sachen geht, wie an etwas eigenem weiterzuschreiben, drücke ich mich davor.
Mein Buch habe ich gut hinbekommen, da bin ich mir recht sicher. Und ich weiß, dass ich schreiben kann und gut darin bin. Aber irgendwie scheint mir das manchmal einfach nicht genug zu sein. Natürlich weiß ich auch, dass Übung der Schlüssel zur Verbesserung ist. Ohne Übung wäre ich nicht auf dem Stand, auf dem ich mich heute befinde.

Das Problem findet sich wohl darin, dass ich mich selbst zu sehr unter Druck setzte. Zum einen, weil ich weiß, wie gut ich sein kann und wie zufrieden ich mit mir selbst sein kann und zum anderen weil ich mich mit anderen vergleiche.
Das ist wohl der größte Fluch der Menschheit – wir sehen uns in ständigem Konkurrenzkampf zueinander. Da ist immer jemand, der besser ist, als wir und den wollen wir übertrumpfen. Er muss nicht einmal tatsächlich besser sein und selbst wenn er das ist, ist man selbst dadurch nicht gleich schlecht.

Meine Güte, wie sehr wünschte ich, meinen Kopf einfach von diesen Gedanken frei machen zu können. Denn im Grunde sind es einzig und allein diese störenden Gedanken, die es so schwer machen. Allein diese Gedanken hindern mich daran, weiterzumachen und besser zu werden, zu wachsen.
Das war schon immer und ist in jedem Bereich so. Ich stehe mir selbst im Weg und das ärgerte mich.

Vielleicht brauche ich nur mehr Selbstbewusstsein, mehr Vertrauen in mich selbst und meine Ideen, meine Qualitäten und Fähigkeiten. Es ist auch irgendwo da – Selbstbewusstsein und Vertrauen und Stolz. Ich weiß das, weil ich es manchmal fühle. Irgendwie muss es doch möglich sein dieses Gefühl in einen etwas dauerhafteren weniger instabilen Zustand zu verwandeln!
Tja, daran werde ich wohl arbeiten müssen.


Immerhin kann ich nicht von mir sagen, ich hätte heute nichts geschafft und das ist schon mal ein guter Anfang. Vielleicht ist es ja auch tatsächlich so – wie ich es schon immer vermutet habe –, dass es sich im Dunkeln, sprich bei Nacht besser schreiben lässt.

Film: Das Schicksal ist ein mieser Verräter

Dear Movies.



Wir haben alle so bitterlich geweint. Meine jüngere Cousine, die neben mir saß, hat zum Ende hin meine Hand genommen und ganz fest gehalten, während ich gezittert habe, weil ich mein Schluchzen unterdrücken musste.
Emotional hat mich der Film demnach voll und ganz mitgerissen, auch wenn ich finde, dass ein Film vom Gefühl her niemals an ein Buch herankommen wird. Bücher sind nicht nur ausführlicher, die eigene Fantasy ist auch oftmals viel dramatischer und tiefer. Aber ich will darüber jetzt keine Diskussion anfangen. Auf jeden Fall lässt der Film einen mitfühlen und rührt einen zu Tränen.

Es ist eine Woche vergangen, seit ich den Film im Kino gesehen habe, deshalb mag mein Urteilsvermögen etwas getrübt sein, aber ich weiß noch, wie ich mich nach dem Film gefühlt habe. Ich war natürlich völlig fertig, genau wie meine Schwester, ihre Freundin und meine Cousine, aber eben dieses Teilen von Tränen schweißt einen irgendwie zusammen. Ich habe mich verstanden gefühlt und das kommt eigentlich viel zu selten vor. Es war ein schönes Gefühl, seine Gedanken danach zu teilen und gemeinsam zu lachen.
Doch vor allem hat mich das Ende des Films mit einem ähnlichen Gefühl erfüllt, wie das Ende des Buches. Als würde ich die Welt plötzlich intensiver wahrnehmen und auch intensiver wahrnehmen wollen. Alles wirkte lebendiger und wertvoller.
Hinzu kommt dieses Gefühl, dass ich nach jedem guten Film habe, wenn ich das Kino verlasse. Das Gefühl, dass Alles möglich ist. Mir erscheint dann nichts zu schwer. Allem haftet irgendwie eine Leichtigkeit an und es fühlt sich einfach toll an. Einfach ausgedrückt könnte man sagen, dass ich mich motiviert und inspiriert fühle.

Zum Film selbst lässt sich sagen, dass es sich um eine gute Umsetzung des Buches handelt. Der Film vermag nicht alles umfassen, was das Buch umfasst, aber um das zu schaffen müsste der Film fünf Stunden oder länger gehen und das ist in so mancher Hinsicht einfach nicht machbar.
Was aber meiner Meinung nach immer schön bei Buchverfilmungen ist, sind wortwörtlich übernommene Dialoge und Details, die nur jenen auffallen, die das Buch wirklich intensiv gelesen haben.
Zum Beispiel vergleicht Augustus Hazel im Film nicht mit Natalie Portman, aber in seinem Zimmer hängt ein Poster von V wie Vendetta.

Ich könnte jetzt aufzählen, was im Film fehlt und ich gerne gesehen hätte – unter anderem der Verkauf der Schaukel –, aber das Wichtige ist eigentlich, dass alle tragenden Szenen und bedeutenden Momente im Film vorkommen und das tun sie.
Wirklich schade finde ich, dass Hazels Freundin keine Erwähnung findet, genauso wie Augustus' Ex. Für das Verständnis der Handlung und des Inhaltes und allem was dazu gehört, spielen die Beiden keine besonders wichtige Rolle, aber ich denke, dass sie schon auch zum Film hätten dazu gehören sollen und wenn es nur eine einminütige Szene gewesen wäre.
Aber wer weiß, für einen Film müssen ja meist Opfer gebracht werden und in dem Sinne ist es zu verkraften.

Shailene Woodley und Ansel Elgort, die Schauspieler, die Hazel und Augustus verkörpern, kenne ich bereits aus Divergent, wo Shailene ebenfalls die Hauptrolle spielt und Ansel ihren Bruder. In ''Das Schicksal ist ein mieser Verräter'' habe ich mich nicht an Tris und ihren Bruder erinnert gefühlt, was demnach wohl vom schauspielerischen Talent der beiden Darsteller zeugt.
Sie spielen beide sehr natürlich und überzeugend. Nicht, dass ich davon besonders große Ahnung hätte. Das ist nur meine Meinung.
Was die Nebenrollen angeht, hat mir Hazels Mutter auch sehr gefallen. Laura Dern hat die Rolle geradezu perfekt rübergebracht, finde ich. Hazels Vater hingegen hatte ich mir emotionaler vorgestellt. Im Film wirkt er zwar etwas präsenter, als im Buch, aber soweit ich mich erinnern kann, ist seine herausstechendste Eigenschaft, dass er häufig zu weinen anfängt. Im Film habe ich davon nichts gesehen.
Auch Peter Van Houten habe ich mir anders vorgestellt. Vom Verhalten her ist er gut getroffen, aber in meiner Vorstellung war er dickbäuchiger, aber darüber lässt sich streiten. Das ist nur meine persönliche Empfindung.

Alles in allem ist der Film auf alle Fälle sehenswert und ich würde sagen, dass er dem Buch durchaus gerecht wird.

Samstag, 14. Juni 2014

Challenge 52/52: Fangen, Festhalten, Loslassen

Hier ist meine erste Geschichte zur Challenge ''52 Worte - 52 Geschichten''. Das Wort, auf Grundlage dessen ich die Geschichte aufgebaut habe, ist Eiche. Mein Text umfasst stolze 2185 Wörter.

So viel dazu. Ich wollte eigentlich schon etwas früher anfangen, aber irgendwie wollte es einfach nicht klappen. Langsam sammeln sich die Ideen aber zum Glück an. Wird trotzdem keine allzu leichte Aufgabe werden.


Fangen, Festhalten, Loslassen


Lachend rannten die Kinder durcheinander – eines nach rechts, eines nach links, eines versteckte sich hinter dem Stamm eines dicken Baumes, während die restlichen den Hügel hinunter liefen in Richtung des großen Sees, dessen unbewegte Oberfläche den strahlend blauen Himmel widerspiegelte. Selbst aus der Entfernung konnte das Mädchen, das hinter dem Baum hervor lugte, sehen wie das Wasser durch die Sonne schimmerte.
Vögel stimmten über ihr in den Ästen ein fröhliches Lied an, als sie kicherte. Ein Junge hatte sich nicht von der Stelle gerührt. Da alle anderen davongelaufen waren, stand er jetzt ganz allein vor dem Baum.
Sie hielt sich die kleine Hand vor den Mund, damit er sie nicht hörte. Eine Brise wehte ihr das blonde Haar ins Gesicht und sie blinzelte, ärgerte sich darüber, dass sie nicht gewollt hatte, dass ihre Mutter ihr zwei Zöpfe machte.
Der Junge bewegte sich endlich. Seine Schultern sanken herab und er tat mehrere Schritte Richtung See, blieb aber wieder stehen. Sie musste schon wieder kichern. Dieses Mal hörte er es und drehte sich zu ihr um. Erschrocken presste sie sich die Hand fester auf den Mund, was jetzt aber auch nicht mehr half. Allerdings machte er keine Anstalten zu ihr zu laufen, um sie zu ticken.
Er sah sie bloß an, aus grünen Augen. Sein Haar war braun und kräuselte sich leicht.
Sie kicherte wieder und ließ die Hand sinken. „Du musst mich fangen“, erklärte sie. Er hatte das Spiel offensichtlich nicht verstanden.
„Warum?“, wollte er wissen und ging zwei Schritte in ihre Richtung, wo er erneut stehen blieb.
„Damit du mich ticken kannst. Dann bin ich dran und muss jemand anderen ticken“, erklärte sie weiter und lächelte.
„Dann müsste ich vor dir weglaufen, oder?“ Sie nickte und er kam auf sie zu. Er rannte nicht. Er ging in einem ganz normalem Tempo. Sie hätte wegrennen müssen, doch stattdessen starrte sie ihn mit leicht geöffnetem Mund an und dachte, dass dieser Junge wirklich komisch war.
Und dann dachte sie, dass er wirklich wirklich komisch war, als er, kurz bevor er sie erreicht hatte, seine Richtung leicht änderte und sich in den Rasen setzte, sich mit dem Rücken gegen den Stamm des Baumes lehnend.
„Ich will nicht laufen“, sagte er. „Du auch nicht, oder?“ Jetzt war er es, der lächelte. Nachdem ihre Verwirrung etwas nachgelassen hatte, lächelte sie zurück und legte sich nach kurzem Zögern ins Gras, den blauen Himmel über sich, das Rauschen der Blätter in den Ohren und die lauten Stimmen der anderen Kinder weit weg.

Hand in Hand stiegen sie den Hügel hinauf, der unweit vom See entfernt lag. Ein Baum mit braunem, dickem Stamm und hoch in den Himmel ragenden Ästen stand auf diesem Hügel. Von weitem hatte er einsam gewirkt, fast trostlos, wie er dort ganz allein auf der Anhöhe stand und auf den See hinabblickte. Dass seine Äste nur noch an wenigen Stellen mit dunklen Blättern behangen waren, verstärkte diesen Eindruck noch.
Allerdings wirkte er auf die 16-jährige von Nahem, wo sie erkannte, wie groß er war und wie alt er aufgrund des dicken Stammes bereits sein musste, in erster Linie majestätisch und würdevoll. Es war ein wunderschöner, mächtiger Baum, selbst wo er jetzt im Herbst sein grünes Gewand verloren hatte.
Auch dem Jungen, dessen Hand sie in ihrer hielt, kam der Baum riesig vor und auch ein wenig bedrohlich, wie er seine fast vollkommen nackten Arme in die Luft streckte.
„Es ist wunderschön hier“, sagte sie, während sie an dem Baum hinaufblickte und einzuschätzen versuchte, wie groß er in etwa war, bis sie zu der Erkenntnis kam, dass die tatsächliche Größe keine Rolle spielte. Es genügte, wie er auf sie wirkte.
„Erinnerst du dich, wie wir als Kinder immer hier gespielt haben?“, fragte er und blickte lächelnd zu ihr hinüber. Seine grünen Augen schauten direkt in ihre, was sie leicht verlegen den Blick senken ließ. „Haben wir das?“, kam es ihr leise über die Lippen. „Kennen wir uns schon so lange?“ Sie schaute wieder hoch in die Baumkrone und glaubte sich, wo er es erwähnt hatte, an den See zu erinnern. Ja, an dem See hatte sie als Kind oft gespielt.
„Ich war damals neu in der Stadt“, erzählte er. Sie nickte nur, völlig versunken in ihren Gedanken.
Deshalb schrak sie ein wenig zusammen, als er seine Hand plötzlich aus ihrer löste. Sie wollte schon fragen, was los war, da sah sie, wie er näher an den Stamm des Baumes herantrat und etwas aus seiner Jackentasche zog. Das Laub knisterte unter seinen Füßen und sie schloss den Mund, während sie ihre Hände in die Taschen ihres grauen Mantels schob. Die goldenen Strahlen der Herbstsonne waren wunderschön, aber sie vermochten kaum noch zu wärmen.
„Komm her“, flüsterte er nach einer Weile und mit bedachten Schritten trat sie neben ihn. Eine Hand zog sie wieder aus ihrer Jackentasche und er ergriff sie sofort, hielt sie warm in seiner. Sie atmete ruckartig ein, als sie sah, was er gemacht hatte.
In die Rinde des Holzes hatte er, mit dem Taschenmesser, das er nach wie vor in der Hand hielt, ein Herz geritzt und in diesem Herz standen zwei Buchstaben – ein C und ein D.
„Du bist unglaublich“, stieß sie hervor und wandte ihm mit Tränen in den Augen das Gesicht zu. In der nächsten Sekunde schlang sie die Arme um ihn und es war ihr egal, dass es kitschig war und sie vielleicht übertrieben reagierte. Sie war einfach gerührt von seiner Geste.
Währenddessen drückte er lächelnd sein Gesicht in ihr Haar. „Ich habe es endlich geschafft, dich zu fangen.“

Sich gegen den Stamm des Baumes lehnend setzte sie sich auf das vom Morgentau noch leicht feuchte Gras. Nach einem langen Blick auf den verlassen daliegenden See am Fuße des Hügels und einem tiefen Seufzen schlug sie das Buch auf, das sie in den Händen hielt.
Es war bereits hell, aber die Sonne war noch nicht aufgegangen, als sie das erste Wort las. Es folgten viele, viele weitere Worte und ihre Schultern entspannten sich ein wenig, ihre Atmung wurde entspannter, ihre Gedanken klärten sich, selbst ihr Herz schien sich ein kleines bisschen zu entkrampfen. Mit jedem Satz durchströmte sie Erleichterung.
Doch irgendwann schloss sie das Buch und strich sich eine Strähne ihres blonden Haares aus dem Gesicht. Das widerspenstige Ding hatte sich aus ihrem lockeren Zopf gelöst. Die Hände auf ihr Buch legend atmete sie ein und aus, betrachtete den See und legte nach einer Weile den Kopf in den Nacken. Erste Blättchen sprossen bereits an den Ästen und sie schloss die Augen.
Inzwischen war die Sonne aufgegangen und die Vögel hatten längst ihre Lieder angestimmt. Der Geruch von Frühling lag in der Luft. Aber sie schmeckte bloß die aufkommenden Tränen, die gleich darauf über ihre Wangen liefen.
Mit einem Mal war ihr kalt, denn sie trug bloß einen dünnen Pullover, Jeans und ein Paar Turnschuhe. Die Arme um ihren Oberkörper schlingend versuchte sie, die Fassung zu behalten.
Es hatte keinen Sinn, zusammenzubrechen. Es hatte keinen Sinn, zu zerbrechen. Dadurch würde es nicht besser werden. Als junges Mädchen mochte es einem so vorkommen und da konnten Sprüche wie ''Manchmal muss etwas zerbrechen, damit etwas neues und besseres daraus entstehen kann'' hilfreich und auch zutreffend sein. Aber sie war kein junges Mädchen mehr und es würde nichts neues und besseres entstehen. Es würde überhaupt nichts entstehen.
Ein Schluchzen unterdrückend schlang sie die Arme noch fester um sich und ließ die Hände dann langsam von ihren Armen hinabgleiten, bis sie nicht länger ihren Oberkörper sondern nur noch ihren Bauch umarmte.
Ihr war bewusst, dass sie es akzeptieren musste. Sie hatte gar keine andere Wahl. Es war wie mit diesem Baum, der genau an dieser Stelle gewachsen war und nirgendwo anders. Er konnte nicht woanders hingehen. Er konnte sich nicht von hier wegbewegen und in ihrem Bauch würde sich niemals ein heranwachsendes Leben bewegen.

Der Wind peitschte ihnen ins Gesicht, sodass das kleine Mädchen die große Hand ihres Vaters noch fester umfasste und nach ihrer pinken Mütze griff, damit sie ihr nicht vom Kopf fiel. Ihr Fransenpony schaute unter der Mütze hervor. Der Wind änderte plötzlich seine Richtung und ihre schwarzen Haare, die sie offen trug und die lang und lockig waren, schlugen ihr plötzlich ins Gesicht.
„Daddy“, jammerte sie und er blieb stehen, kniete sich vor ihr hin. „Was ist denn, Kleine?“ Aus vertrauten, grünen Augen blickte er sie liebevoll an und rückte ihr die leicht schiefe Mütze zurecht. „Der Himmel ist so dunkel und mir ist kalt.“
Sein Gesichtsausdruck veränderte sich. Jetzt sah er traurig aus. „Es ist nicht mehr weit. Wir sind fast da, nur noch ein paar Schritte“, versprach er und nahm das herunterhänge Ende ihres bunt gemusterten Schals, um ihn ihr noch einmal um den Hals zu wickeln. „Danach fahren wir nach Hause.“
Aus runden, braunen Augen blickte sie ihn an. „Okay.“
Mit einem kleinen Lächeln, aber noch immer einem traurigen Ausdruck in den Augen stieg er gemeinsam mit seiner Tochter das letzte Stück des Hügels hinauf, wo nackt und in dem stürmischen Wind knarrend der Baum stand. Ehrfürchtig hielt er einen Moment inne. Das kleine Mädchen schaute zu ihm hoch und sah anschließend den Baum an. Es war ein dicker Baum, der ohne seine Blätter hässlich war, fand sie. Doch ihr Vater schien ihn wunderschön zu finden.
„Komm, ich will dir was zeigen.“ Fast hätte sie ihn wegen des lauten Windes nicht gehört, aber sie hatte gute Ohren. Neugierig ließ sie sich von ihrem Vater näher an den Stamm heranführen. Er legte seine Hand auf die Rinde.
„Deine Mutter hat mir erzählt, dass sie hierher kam, nachdem sie erfahren hat, dass sie nie ein eigenes Kind haben wird“, erklärte er und lächelte leicht. Dabei wirkte er weit, weit weg, als hätte er sich in seinen Gedanken verloren und das hätte er vielleicht, wenn nicht dieses kleine Mädchen neben ihm gestanden hätte.
„Aber Mommy hat doch ein Kind bekommen“, widersprach die Schwarzhaarige. Sie sagte es trotzig, als wäre es eine ganz gemeine Lüge zu behaupten, ihre Mutter würde kein Kind haben können.
Er kniete sich erneut runter zu seiner Tochter und legte eine Hand an ihre Wange. Sanft sagte er ihr: „Das stimmt. Wir haben dich bekommen. Wir haben dich adoptiert, als du noch sehr klein warst. Das weißt du doch.“
Sie nickte kräftig. „Ich weiß, dass ich nicht aus Mommys Bauch gekommen bin. Aber sie hat gesagt, dass da ein Kind in ihrem Bauch war.“
Die nächsten Worte wählte er mit Bedacht: „Da war ein Kind in Mommys Bauch, aber das Kind ist tot, genauso wie Mommy.“
Die Augen des kleinen Mädchens füllten sich mit Tränen und er nahm seine Tochter in die Arme, drückte sie an seine Brust, gab ihr Wärme und Liebe und weinte mit ihr. Der Wind wurde immer kräftiger, zerrte immer stärker und stärker an ihnen.
„Mommy wird immer bei uns sein, in unseren Herzen“, sagte er der Kleinen, sobald er wieder sprechen konnte und sie sich die Tränen aus den Augen wischte. Nickend schniefte sie und er nahm sie unter den Armen und hob sie hoch, deutete auf das in den Baum geritzte Herz mit den zwei Buchstaben.
„Clare und Dane“, sagte das schwarzhaarige Mädchen. Ihr Vater war überrascht, dass sie verstand, wofür die Buchstaben standen. Seine Tochter wandte ihm den Kopf zu. „Der Baum wird auch immer bei Mommy sein.“ Dem Vierzigjährigen traten erneut die Tränen in die Augen bei dem festen, glaubhaften Ton in der Stimme seiner Tochter.
„Ja“, brachte er hervor. „Der Baum wird auch immer bei Mommy sein. Das ist nämlich eine Eiche. Weißt du, was das bedeutet?“ Er setzte das kleine Mädchen wieder auf ihre eigenen Füße und griff ihre Hand. Mit langsamen Schritten entfernten sie sich von dem Baum.
„Nein. Was bedeutet eine Eiche?“, wollte sie wissen und sie legten immer mehr Entfernung zwischen sich und den Baum, stiegen jetzt bereits den Hügel hinunter.
„Die Eiche steht für Unsterblichkeit. Das heißt, dass Mommy für immer in unseren Herzen bei uns ist.“
Das kleine Mädchen fasste sich an die Brust und schaute noch einmal zurück zu der Eiche. Dann lächelte sie und als es zu regnen begann, dachte sie daran, dass sie auch unsterblich sein wollte, wenn sie tot war, wie ihre Mommy. Sie würden zusammen unsterblich sein. Das war ein schöner Gedanke.
Während der Regen Vater und Tochter durchnässte und die Eiche in immer weitere Ferne rückte, hatte auch er schöne Gedanken. Zum ersten Mal, seit seine Frau gestorben war, hatte er schöne Gedanken, die sich auch schön anfühlten. Zum ersten Mal war seine schier endlose Traurigkeit durchbrochen worden und er glaubte an seine eigenen Worte. Aber noch viel mehr glaubte er an die Worte seiner Tochter. Seine Clare würde immer bei der Eiche sein.
Dort würde er sie immer finden können, wie unerreichbar sie auch zu sein schien, denn so war es immer mit Clare und ihm gewesen: Selbst wenn sie voreinander weggelaufen waren, hatten sie sich letztendlich fangen lassen und das Weglaufen aufgegeben, um sich stattdessen unter die Eiche zu setzen und der Ruhe nach dem Sturm zu lauschen.

Dienstag, 10. Juni 2014

Buch: Das Schicksal ist ein mieser Verräter von John Green

Dear Books.



Warnung: Spoiler enthalten.

Minuten nach dem Ende des Buchs lag ich bloß da, zusammengerollt auf meinem Bett und erinnerte mich daran, wie es ist zu atmen, einfach nur zu atmen und wie lebendig man sich allein dadurch fühlt.
Es macht mich fast traurig, dass ich dieses Buch nicht vorher gelesen habe, denn dann hätte ich es jetzt – wo der Film kommt – zum zweiten Mal gelesen und das werde ich irgendwann machen, das Buch noch einmal lesen, denn das ist es definitiv wert, mehr noch. Es verlangt geradezu danach. Ich habe nämlich das Gefühl, dass einem dieses Buch sehr viel beibringen kann.
Ohne jemanden beleidigen zu wollen, denke ich, dass viele das Buch nicht verstehen, zumindest nicht vollkommen. Auch ich habe es nicht vollkommen verstanden und vielleicht ist es auch Interpretationssache, wie man das Buch versteht. Vielleicht reicht es für einige das Buch bloß zu genießen. Vielleicht ist das auch der ganze Sinn dahinter, denn Bücher sind schließlich da, um genossen zu werden. Doch ich habe einfach das Gefühl, es den Figuren schuldig zu sein, in ihrer Geschichte mehr zu sehen, als bloß eine Geschichte.

Ich will jetzt nicht über Krebs schreiben oder über den Tod oder darüber wie wunderbar die Figuren gestaltet sind. Im Grunde habe ich von keiner dieser Sachen wirklich eine Ahnung, außer vielleicht von Letzterem, aber auch das nur auf Anfängerniveau. Ich dachte immer, mit 18 Jahren hätte man von vielem eine Ahnung, aber im Endeffekt hat man das wohl nie.
Was ich weiß ist, dass ''Das Schicksal ist ein mieser Verräter'' in mir das Bedürfnis weckt, mich wieder lebendiger zu fühlen. Ich habe von meiner eigenen Realität und der wirklichen Realität geschrieben und dass mir meine eigene lieber ist, aber hin und wieder muss man fühlen, dass man lebendig ist und sich daran erinnern, wie es ist zu atmen.
Ich weiß nicht, ob das nur ein momentanes Gefühl ist – sich lebendig fühlen zu wollen. Ich weiß nicht, ob ich sagen kann, dass das Buch mich verändert hat, denn es ist erst eine Stunde her, dass ich es zu Ende gelesen habe. Aber Jetzt und Hier fühlt es sich an, als hätte dieses Buch eine sehr große Bedeutung.
Es ist kein Krebsbuch, auch wenn es das gleichzeitig doch ist. Viel mehr aber geht es um Liebe und kurze, lange Ewigkeiten, um das Gefühl, dass etwas ewig dauert und doch zu kurz ist, denn so sind Bücher und so ist das Leben: Alles dauert ewig und ist doch zu kurz.

Jetzt muss ich doch über die Figuren schreiben. Augustus und Hazel sind so tiefgründig und so einfach gestrickt, dass es auf eine Weise zusammenpasst, wie es nur der Fall ist, wenn etwas wirklich zusammenpasst. Das bezieht sich sowohl auf Augustus und Hazel für sich, als auch auf ihre Beziehung zueinander.
Der Humor ist unglaublich, ein Balanceakt zwischen Galgenhumor und Sarkasmus. Es lässt einen Grinsen und Auflachen, zum Ende hin mit Tränen in den Augen.
Es ist von Anfang an klar, dass die Liebe der Zwei nicht ewig halten wird und ich wusste durch meine beste Freundin, die mir Spoiler sehr übel nimmt, mich aber bei jeder Gelegenheit zuspoilert, dass Augustus stirbt, dennoch muss man am Ende weinen oder auch gerade deshalb.
Dabei schafft es das Buch, oder vielleicht auch eher John Green, irgendwie, dass Augustus' Tod einem zwar unfair erscheint, es aber der Lauf der Dinge ist. Das ist das Leben und das ist der Tod.

Ich mache um das Thema Tod und Krankheit und das ganze Zeug einen so großen Bogen, dass es gut und gerne Verdrängung und Furcht genannt werden kann, was in meinem Alter wahrscheinlich normal ist.
Hazel und Augustus können keinen Bogen darum machen, sie stecken mittendrin und schaffen es trotz allem zu leben und zwar richtig zu leben, mit Liebe und Videospielen und allem drum und dran. Und wenn das nicht stark ist, als was sie sich selbst nicht unbedingt bezeichnen würden, ist es auf jeden Fall bemerkenswert.
Es zeigt, dass das Leben schön ist, egal von welchem Standpunkt man es betrachtet und es zeigt, dass es gleichzeitig, noch in der selben Sekunde, immer etwas Schreckliches hat.

Es erscheint mir zu simpel, davon zu sprechen, dass das Buch einen etwas lehrt, denn das tut es nicht, auch wenn es das gleichzeitig doch tut.
Im Grunde ist es einfach ein wunderschönes Buch, das einen berührt, das einen mitfühlen lässt, einem ein kleines bisschen ein Verständnis für Tod und Krankheit gibt. In ''Das Schicksal ist ein mieser Verräter'' sind Wahrheiten zu finden, die einem selbst immer nur oberflächlich bewusst waren und das werden sie wohl auch bleiben, trotzdem hat man das Gefühl, ein bisschen mehr getan zu haben, als bloß an der Oberfläche gekratzt zu haben.
Für mich – jemand, der viel nachdenkt – ist es dennoch nicht genug, das an der Oberfläche kratzen. Es ist nicht genug, nach dem ersten Lesen. Es wird vielleicht nie genug sein, weil man nie auslernt. Es ist schwer, in unserer oberflächlichen Welt unter die Oberfläche von etwas zu gelangen. Wir erfassen immer nur Bruchstücke und können kaum das große Ganze sehen.
Doch vielleicht werden sich irgendwann diese Bruchstücke zu dem großen Ganzen zusammensetzen. Je älter man wird, je mehr Erfahrung man sammelt, je vollständiger wird das Bild.
Ich würde gerne herausfinden, wie dieses Bild aussieht, wie es für mich aussieht, was im übertragenen Sinne bedeutet, dass ich noch nicht sterben will. Natürlich will ich mit 18 Jahren noch nicht sterben.
Ich will noch lange leben, ''Das Schicksal ist ein mieser Verräter'' noch oft lesen, noch viele andere Bücher von John Green und anderen Autoren lesen und noch viel lernen. Und ich bin sehr glücklich, dass ich dazu die Gelegenheit haben werde.

Sonntag, 8. Juni 2014

Reality is...

Dear Words.

Aus The Real World von Owl City
Das ist sowas ähnliches wie mein Motto, mit Verweis auf meinen vorherigen Post.

08.06.2014

Dear Sweet Heart.

Was ist das eigentlich – die Realität?

Gibt es so etwas wie eine Realität überhaupt? Erschaffen wir sie uns selbst oder ist sie universell?
Ich habe mir diese Frage schon oft gestellt und bin zu dem Schluss gekommen, dass es keine Antwort gibt, zumindest keine, die auf jeden zutrifft, denn letztendlich ist die Realität wahrscheinlich für jeden etwas anderes und sie ist so privat und persönlich, dass sie jemand anders – egal wie gut er diese Person kennt – kaum verstehen würde.
So sehe ich das.
Ich glaube, dass jeder Mensch das Leben und bestimmte Dinge und Situationen anders erlebt. Vielleicht aufgrund von Erfahrungen oder einfach weil jeder anders ist. Der Grund ist auch gar nicht so unbedingt von Bedeutung, aber es erklärt, warum wir so verschieden sind und warum wir oft die Handlungen und Worte anderer nicht nachvollziehen können, selbst nachdem sie es uns ausführlich und auch verständlich erklärt haben.
Doch das ist es gar nicht, worum es mir hiermit eigentlich geht. Ich versuche nicht zu erklären, warum Menschen so verschieden sind und warum es immer wieder zu Meinungsverschiedenheiten, Missverständnisse, Streit und Krieg kommt.
Die Frage, die ich mir eigentlich stelle und zu beantworten versuchte ist: Was ist meine Realität? Lebe ich überhaupt in der Realität?
Denn die meiste Zeit damit zu verbringen durch Serien, Filme, Animes, Bücher und das Schreiben andere Leben zu leben, kann wohl kaum als Leben in der Realität bezeichnet werden, oder?
Die wirkliche Realität erscheint mir auch ziemlich langweilig. Das ist kein Ort, wo ich gerne leben würde, inmitten von Politik, Geld, Leid, Eintönigkeit, unfreundlichen Menschen und Tod. Ich glaube, diese Welt ist einfach nichts für mich, auch wenn ich mich wohl oder übel des öfteren mit ihr auseinandersetzen muss.
Deshalb lebe ich lieber in meiner eigenen Realität, erschaffen aus meinen Gedanken, die eng verknüpft sind, mit all den Leben, die ich durch Serien, Filme, Animes, Lesen und Schreiben lebe.
Ich mag diese Realität. Sie gefällt mir deutlich besser, als die Du-solltest-dich-um-deine-Zukunft-kümmern-und-hast-so-gut-wie-keine-Freunde Realität. Wer würde auch schon gerne in so einer Realität leben wollen?
Damit will ich nicht sagen, dass die Realität ein schrecklicher Ort ist. Sie hat sehr viele negative Aspekte, aber sie hat auch schöne. Zum Beispiel gibt es solche Momente, in denen die Welt einfach wunderschön wirkt – die Natur, das Bild einer Stadt bei Nacht aus einem Flugzeug, das türkise Wasser am Strand von Mallorca, eine Umarmung und ein Lächeln, ein klärendes Gespräch mit gutem Ausgang.
Die Realität kann durchaus ein schöner Ort sein, aber ich denke, dass es für mich besser ist, sie nicht zu nah an mich heran zu lassen. Ich wahre also eine gewisse Distanz zur Realität, das macht es auch leichter mit ihr umzugehen, denn so kann ich sie aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten und mich leicht in andere hineinversetzen.
Trotzdem fürchte ich mich davor, dass die Realität eines Tages über mich hereinstürzen wird und dieser Tag könnte früher kommen, als mir lieb ist.
Mit jedem Tag, mit dem wir altern und uns weiter von dem Tag entfernen, an dem wir geborgen wurden, verlieren wir ein Stück unserer selbst erschaffenen Realität. Kinder schaffen es wohl am besten in ihrer und der wirklichen Realität zu leben, während die Jugendlichen unserer heutigen Zeit dazu neigen, sich ihre eigenen Welten zu erschaffen, doch sobald sie ''erwachsen'' sind oder zumindest von ihnen erwartet wird, sich zu verhalten, als wären sie erwachsen, stürzen diese Welten ein, sie fallen in sich zusammen und lösen sich in Nichts auf.
Ich will nicht, dass mir das passiert. Ich werde mit aller Macht an meiner selbst erschaffenen Realität festhalten, denn nur so kann ich die wirkliche Realität überstehen.
Das hat nichts mit Leugnen oder Verdrängen zu tun. Ich weiß sehr wohl, was die wirkliche Realität ist und ich kann über Politik und die kompliziertesten Dinge reden, wenn ich muss, auch wenn ich darin keinen sonderlichen Sinn sehe. Meine eigenen Realität ist einfach meine Weise mit der wirklichen Realität umzugehen.
Scheint, als hätte ich meine Antwort gefunden. Manchmal braucht es nicht mehr als das – ein paar Minuten stillen, konzentrierten Denkens und das Ordnen seiner Gedanken.

Mittwoch, 4. Juni 2014

Nachttisch aus Büchern

Dear Books.

Improvisierter Nachttisch aus Büchern von Cassandra Clare
City of Glass fehlt, weil meine irgendwie beste Freundin es noch ausgeliehen hat. Und Clockwork Princess hab ich nur auf Englisch, das müsste ich mir nochmal auf Deutsch kaufen.