Dienstag, 19. Juni 2018

Buch: Two Boys Kissing von David Levithan

Dear Books.


Hm, ich weiß gar nicht, wie ich hier genau anfangen soll. Aber weiß ich das je? Auf jeden Fall ein sehr interessantes Buch, so viel ist sicher.

Genre: Young Adult, LGBT, Romance, Fiction
Umfang: 196 Seiten (Taschenbuch Ausgabe)
Sprache (gelesen in): Englisch
Erstausgabe: 27.08.2013 Verlag: Ember (Random House Children's Books)
Kurzbeschreibung: While the two increasingly dehydrated and sleep-deprived boys are locking lips, they become a focal point in the lives of other teen boys dealing with languishing long-term relationships, coming out, navigating gender identity, and falling deeper into the digital rabbit hole of gay hookup sites—all while the kissing former couple tries to figure out their own feelings for each other.

Story: So, jetzt nochmal. Ich weiß wirklich nicht genau, was ich zu diesem Buch sagen soll. Ja, interessant ist es und es beschäftigt sich mit einem sehr wichtigen Thema beziehungsweise wichtigen Themen und es ist definitiv nicht schlecht, aber... Hm.
Ich denke mal, es lässt sich am besten so beschreiben: Es ist nicht wirklich meine Art von Buch. Vieles, was ich sehr an Geschichten schätze, hat dieses Buch nicht, was es nicht grundsätzlich schlecht macht, absolut nicht, aber es gibt mir eben nicht das, was ich gerne habe und was Begeisterung und Feels und all sowas in mir auslöst.
Zum Teil hat das vielleicht auch mit der Erzählweise zu tun, wobei ich diese wirklich sehr interessant finde. Zusätzlich ist es auch mal was anderes und ein cooler Ansatzpunkt, durch den der Geschichte und der ganzen Message nochmal eine ganz besondere Gewichtung gegeben wird. In der Hinsicht hat mir das Buch echt gut gefallen, da es eben diese ganz eigene Erzählweise hat, die alles auf eine starke Weise unterstreicht.
Zu Anfang ist diese Erzählweise etwas verwirrend, da nicht gleich klar ist, wer da eigentlich erzählt und warum und so weiter, aber nachdem es aufgeklärt wird, macht es alles Sinn und fügt sich schön zusammen.
Davon abgesehen sind es mehrere verschiedene Geschichten, die in diesem Buch erzählt werden und ich denke, hier liegt mein Hauptproblem mit dem Buch und warum meine Meinung zu dem Buch irgendwie ziemlich neutral und nicht sehr gefühlsmotiviert ist. Denn dadurch, dass das Buch nicht besonders viele Seiten besitzt, alles also insgesamt recht kurz gehalten ist, fiel es mir sehr sehr schwer, mit den Charakteren auf einer emotionalen Ebene mitzufühlen.
Natürlich werden schon recht viel Gefühle und Gedanken beschrieben und auch die Interaktionen der Charaktere, die Dialoge, die Ereignisse sind gut beschrieben, aber es fehlt irgendwie an der Zeit und dem Mehr an Handlungen und allem weiteren, um sich wirklich enger mit den Charakteren verbunden zu fühlen.
Ich denke auch, dass es bei diesem Buch gar nicht das Ziel war, dass der Leser sich unbedingt genauer in die Charaktere reindenkt und mitfühlt, zumindest kommt es mir so vor. Viel eher sollten einzelne Schicksale beispielhaft für alle Menschen, die ähnliches durchmachen, sich in ähnlichen Situationen wiederfinden, aufgezeigt und beschrieben werden, um zu zeigen, dass immer noch für gewisse Recht, Anerkennung, Akzeptanz und so weiter gekämpft werden muss, auch wenn bereits vieles passiert ist.
Vom Ansatz her finde ich das Ganze echt interessant und es ist ein cooles Konzept, aber in der Realität fällt es mir eben ziemlich schwer, wenn ich Charaktere nur über eine kurze Zeit kenne, eine wirkliche Bindung zu ihnen aufzubauen. Das heißt natürlich nicht, dass mir die Charaktere völlig egal waren und ich ihre Stories nicht interessant und spannend fand, das waren sie definitiv. Aber dieses letzte, entscheidende Etwas hat gefehlt.
Trotzdem, wie geschrieben, haben mich die einzelnen Geschichten zumindest genug mitgenommen, dass ich wissen wollte, wie sie ausgehen und wie die Message des ganzen Buches dadurch transportiert wird. Und an sich sind die Geschichten der einzelnen Charaktere wirklich gut erzählt und decken alle samt wichtige Aspekte und Probleme ab, die ''anders sein'' in unserer Gesellschaft nach wie vor mit sich bringt. Das finde ich echt gut gelungen.
Und ich denke, das genau dieses Ziel mit dem Erzählen der Geschichten in Zusammenspiel mit der Erzählweise beziehungsweise -perspektive erreicht werden sollte. In dem Sinne hat das Buch ganze Arbeit geleistet und wäre auch definitiv weiter zu empfehlen.
Nur mich persönlich hat es halt nicht so sehr mitgenommen, was auch noch einmal durch den manchmal etwas sehr schlichten Schreibstil verschlimmert wurde. Es sind auch sehr schöne, poetische Zeilen dabei, auf jeden Fall. Und kurze, klare Sätze können auch eine sehr große Macht haben, das will ich gar nicht bestreiten. Auch passt es an sich zum ganzen Stil des Buchs und zur Message.
Im großen Ganzen hat es mir also schon gefallen, aber eben nicht in einem besonderen Maße.

Charaktere: Zu denen habe ich tatsächlich nicht viel mehr zu sagen, als das, was ich schon beschrieben habe. Sie nehmen alle eine gewisse Rolle im Gesamtbild ein und decken alle zusammen ganz unterschiedliche, wichtige Felder ab.
Sie sind mir auch allesamt sympathisch und ihre Gedanken, Gefühle und Handlungen sind auf jeden Fall nachvollziehbar und ganz gut beschrieben, abgesehen von der fehlenden Zeit, um eine richtige Bindung zu ihnen aufzubauen, gibt es da eigentlich nichts zu meckern.
Was mich stört, ist eben, dass sie wirklich alle dafür da sind, um ihren gewissen Part im großen Ganzen zu erfüllen. Ich mag zwar, was das zeigen soll, welches Ziel das verfolgt, aber es lenkt vielleicht, zumindest meiner Meinung nach, den Fokus ein bisschen von den Charakteren selbst weg. Kann auch sein, dass das nur mein Empfinden ist und die Erklärung für die Distanziertheit, die ich irgendwie zu den Charakteren habe, könnte auch durchaus eine andere sein.
Aber so oder so fehlt mir da einfach das Gefühl von Bindung, nach dem ich immer suche und das ich so sehr liebe.
Die Schicksale der Charaktere haben mich an sich aber natürlich trotzdem interessiert und mich auch bewegt, nur eben nicht so intensiv, wie es sein könnte.

Fazit: Es ist auf keinen Fall ein schlechtes Buch oder schlecht geschrieben oder ähnliches. Ich würde sogar sagen, dass es ein sehr wichtiges Buch ist, das es leider irgendwie verpasst hat, mich so richtig abzuholen. Nichtsdestotrotz ist die Message, die vor allem auch über die besondere Erzählweise und das Beleuchten unterschiedlicher, individueller Geschichten unterstrichen wird, sehr wichtig und wird gut rübergebracht.
Ich war gespannt, wie sich die einzelnen Handlungsstränge entwickeln, aber hätte mir hier und dort einfach noch mehr gewünscht, um eine tiefere Bindung zu den Charakteren aufbauen zu können. Das, was mir aber als Ziel des Buches vorkommt, wurde aber definitiv erreicht – die Wichtigkeit des Kämpfens für Rechte, Anerkennung, Akzeptanz und alles, was in diese Richtung geht, deutlich zu machen.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen